Die wahren Brujah beherrschen eine Disziplin, die ihnen eine gewisse Kontrolle über das Vergehen der Zeit erlaubt. In Kombination mit dem natürlichen Hang der Weisen, emotional und spirituell distanziert zu wirken, macht sie die Ahnen der wahren Brujah besonders gefährlich. Sie wissen, dass jedes Leben endlich ist und haben aus diesem Grunde keine Skrupel, eines
zu beenden.
Inhaltsverzeichnis
• Zeitgefühl
Meister des Temporis schätzen Geduld und Klarheit. Die Zeit ist zu gefährlich und zu komplex, um sie achtlos oder aus einer Laune heraus zu manipulieren. Von daher geht es bei der ersten Temporis-Kraft ausschließlich um die Zeitwahrnehmung, sie bietet eine dauerhafte Erweiterung der Sinne des Vampirs.
System: Wenn ein Vampir diese Disziplin erst einmal erworben hat, verleiht sie ihm ein untrügliches Zeitgefühl. Der Vampir kann Ereignisse auf die Sekunde genau oder noch exakter festmachen. Darüber hinaus spürt der Kainit, wenn der Fluss der Zeit durch den Einsatz von Geschwindigkeit, höheren Stufen von Temporis, Zauberei der Sterblichen oder noch seltsameren Dingen mystisch beeinflusst wird. Dieses Gespür für Störungen des Zeitflusses ist instinktiv und reflexiv, erfordert aber einen gelungenen Wurf auf Wahrnehmung + Magiegespür (Schwierigkeit 6 für die meisten Phänomene, der Erzähler kann sie unter Berücksichtigung von Entfernung und Stärke modifizieren).
•• Zeitschleife
Ein Vampir mit dieser Kraft kann dafür sorgen, dass ein Subjekt eine Abfolge von Ereignissen immer zu aufs Neue bedenkt, bis man es unterbricht. Diese Kraft ist äußerst unauffällig und eignet sich nicht für Kampf- oder andere Situationen, die reich an Sinnesreizen sind. Doch ein gerissener Vampir kann einen Wachposten durch diesen Trick dazu bringen, die Langeweile
seiner ereignislosen Schicht erneut zu durchleben, während der Kainit sich ihm ausreichend nähert, um zuzuschlagen oder an ihm vorbeischlüpft.
Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind das Auslösen eines Déjà-vus, das das Ziel wahnsinnig und paranoid macht, oder von nagenden Zweifeln eines Opfers an seinen Sinnen und seiner geistigen Gesundheit.
System: Der Vampir konzentriert sich auf ein Opfer in Sichtweite. Der Spieler würfelt Manipulation + Okkultismus (Schwierigkeit = gegenwärtiger Willenskraftwert des Opfers). Bei Erfolg verfällt das Opfer in eine leichte Trance und durchlebt erneut die unmittelbar zurückliegenden Erfahrungen. Alternativ dazu kann der Vampir andere, spezifische Erinnerungen und
Umstände aus der Vergangenheit des Opfers wachrufen, vorausgesetzt, er kann sie telepathischen eruieren. Die sich wiederholenden Ereignisse müssen insofern relativ gutartig sein, als darin nichts Bemerkenswertes und nichts, was ein sofortiges Handeln des Opfers erfordern würde, geschieht. Somit könnte der Vampir im Beispiel mit dem Wachposten diesen in Trance versetzen
und unbemerkt vorbeigehen, aber nicht, wenn der Wachposten ihn vor Anwendung der Kraft entdeckt hatte. Normalerweise dauert die Absenz 1 Minute pro Erfolg. Wenn der Spieler des Vampirs 1 Blutpunkt in diese Kraft investiert, können Sie die Dauer der Trance auf der folgenden Tabelle ablesen:
| Erfolge | Dauer |
|---|---|
| 1 Erfolg | 1 Minute |
| 2 Erfolge | 10 Minuten |
| 3 Erfolge | 1 Stunde |
| 4 Erfolge | 6 Stunden |
| 5 Erfolge | 1 Tag |
Opfer in Trance sind sich ihrer Umgebung und des tatsächlichen Vergehens von Zeit ringsum nicht bewusst. Doch die Geistesabwesenheit endet, wenn das Opfer Schaden nimmt oder einem plötzlichen, heftigen Sinnesreiz ausgesetzt ist, etwa einem Donnerschlag oder auch nur einem sanften Anstupsen. Ein normales Gespräch bricht die Trance nicht, ein Wortgefecht hingegen
schon.
••• Bleierner Augenblick
Mit dieser Kraft kann ein Vampir das Vergehen der Zeit selbst beeinflussen, nicht nur die Wahrnehmung von Ereignissen. Der Vampir macht eine Geste und verlangsamt das Objekt seiner Wahl bis zur beinahe völligen Bewegungslosigkeit. Diese Kraft kann heranrasende Kugeln zum Tempo dahinziehender Wolken abbremsen oder einen gegnerischen Krieger dazu bringen, das
Schlachtfeld als wirbelndes Gemetzel zu sehen, während seine eigenen Bewegungen nur noch im Schneckentempo stattfinden.
System: Der Spieler setzt 1 Blutpunkt ein und würfelt Intelligenz + Okkultismus. Die Schwierigkeit hängt von Größe und Art des Ziels ab: Ein geworfener Stein hat nur Schwierigkeit 4, ein durchgeknallter Ghul Schwierigkeit 9. Auf Ziele, die größer sind als ein erwachsener Mensch, wirkt Bleierner Augenblick nicht. Es ist möglich, kleine, eng beieinander stehende unbelebte Gegenstände derselben Art wie ein Objekt zu behandeln, doch das erhöht die Schwierigkeit um mindestens 2 (Erzählerentscheid, ein Kugelhagel könnte Schwierigkeit 9 haben). Diese Kraft kann man als Automatismus zur Verteidigung gegen Geschosse aktivieren, ansonsten aber erfordert sie eine volle Aktion, wenn der Vampir an der Reihe ist. Ein Scheitern hat zwar außer der Verschwendung von Blut keine negativen Folgen, doch ein Patzer bedeutet, dass der Vampir versehentlich sich selbst statt des Ziels verlangsamt und zu diesem Zweck jede 1 als Erfolg zählt.
Hat der Vampir Erfolg, so fällt das Objekt auf die Hälfte seiner normalen Geschwindigkeit. Je 2 Erfolge über den ersten hinaus verringern die Geschwindigkeit erneut, so das 3 Erfolge das Ziel auf ein Drittel seiner Geschwindigkeit verlangsamen, 5 Erfolge auf ein Viertel usw. Wie sich das auswirkt, hängt von der Situation ab. Bei Geschossen werden alle Erfolge zum Treffen und der letztliche Schaden mit dem Geschwindigkeitsfaktor multipliziert (abrunden). Desgleichen wird der Geschwindigkeitsfaktor auf die Erfolge anderer Aktionen angewandt, bei denen Geschick, Geistesschärfe oder Körperkraft verlangsamter Charaktere eine Rolle spielen. Charaktere mit Geschwindigkeit können einen Blutpunkt einsetzen, um einen Faktor der Geschwindigkeitsverringerung aufzuheben, allerdings auf Kosten der zusätzlichen Aktion, die die Disziplin normalerweise bringt – so hebt ein Blutpunkt eine Halbierung der Geschwindigkeit auf, 2 Blutpunkte ihre Drittelung usw. Bleierner Moment wirkt eine Runde für je 2 gewürfelte Erfolge (aufrunden).
•••• Geduld der Nornen
Der Vampir kann jetzt für ein unbelebtes Objekt die Zeit anhalten, er lässt es in perfekter Stasis erstarren, während ringsum die Zeit normal vergeht. Wie bei weniger starken Temporis-Kräften hat diese Stasis Anwendungen sowohl im Kampf als auch außerhalb. Krieger der wahren Brujah können Kugeln stoppen, statt sie zu verlangsamen oder lässig beiseite treten, während ein Gebäude zusammenbricht. Höherstufige Varianten dieser Kraft bewahren kostbare Schriftrollen und Artefakte vor der Gefahr des Schimmels oder des Verfalls. Wenn ein Festkörper oder eine gewisse
Menge von Flüssigkeit, die es im Augenblick der Erstarrung nicht berührten, ein in der Zeit ein gefrorenes Objekt berühren, kehrt es mit denselben Eigenschaften und derselben Geschwindigkeit, die es zuvor hatte, in den Zeitfluss zurück. Deshalb lässt die Berührung eines in der Zeit eingefrorenen Objekts durch alles, was mehr Wucht mitbringt als ein Regentropfen, es genauso zurückkehren, wie es war, ehe der Anwender es erstarren ließ.
System: Der Spieler setzt 2 Blutpunkte ein und würfelt Intelligenz + Okkultismus (Schwierigkeit 6). Der Vampir muss das Objekt wahrnehmen können, das er in der Zeit erstarren lassen will, deswegen der Spieler möglicherweise einen Wurf auf Wahrnehmung + Aufmerksamkeit machen muss, dessen Schwierigkeit der Erzähler festlegt, um sich schnell bewegende Objekte erstarren
lassen zu können. Wenn ein Objekt sich so schnell bewegt, dass es mit bloßem Auge nicht wahrzunehmen ist, ist übersinnliche Wahrnehmung, etwa Auspex, erforderlich, um es zu sehen und erstarren zu lassen (insofern kann man mit dieser Kraft Kugeln aufhalten, aber nur, wenn der Vampir mindestens einen Punkt Auspex hat). Wie lange durch diese Kraft eingefrorene Objekte
erstarrt bleiben, hängt von der Anzahl der erwürfelten Erfolge ab:
| Erfolge | Dauer |
|---|---|
| 1 Erfolg | 1 Runde |
| 2 Erfolge | 1 Minute |
| 3 Erfolge | 10 Minuten |
| 4 Erfolge | 1 Stunde |
| 5 Erfolge | 1 Tag |
| 6+ Erfolge | 1 Woche pro Erfolg über 5 |
Erstarrte Objekte behalten alle ihre Energie, sie geben nichts an das umgebende Universum ab. Ein erstarrtes Messer hat, was den Rest der Welt angeht, keine kinetische Energie, sondern hängt in der Luft, bis die Kraft unterbrochen wird oder ihre Wirkung endet. Unterbrochene alchimistische oder chemische Prozesse kommen ebenso zum Stehen, auch Brände. Doch auch hier gilt: Jeder physische Kontakt, der mehr Wucht mit sich bringt als ein fallender Regentropfen, bricht die Erstarrung.
••••• Clothos Geschenk
Mit dieser Kraft lenkt ein Vampir kurzfristig beschleunigte Zeit durch sich hindurch. In diesem kurzen Moment bewegt er sich mit der übernatürlichen Geschwindigkeit der gleichnamigen Disziplin. Im Gegensatz zu jener Disziplin jedoch erlaubt die Zeitverzerrung durch Clothos Geschenk jede Form von Handlung. Ein Vampir kann dadurch zwar schneller laufen oder zuschlagen, als man mit bloßem Auge wahrnehmen kann, aber er kann auch schneller denken, planen und sogar andere Disziplinen auslösen, die volle Konzentration erfordern.
Letzteres stellt jedoch eine Gefahr dar, da es das starre Unleben des Vampirs überfordern kann.
System: Der Spieler setzt 3 Blutpunkte ein und würfelt Intelligenz + Okkultismus (Schwierigkeit 7). Für eine Anzahl von Runden, die der aufgerundeten Hälfte des Temporiswertes des Vampirs entspricht, kann der Charakter mit vollem Würfelvorrat eine Reihe zusätzlicher Handlungen durchführen, die der Anzahl der gewürfelten Erfolge entspricht. Diese Handlungen werden nach den Reihenfolge-Regeln für Geschwindigkeit abgewickelt, sind aber in ihrer Art nicht eingeschränkt.
Ein Vampir kann die Handlungen, die ihm Clothos Geschenk gewährt, nutzen, um Disziplinen mehrfach zu aktivieren, sogar solche, die man nicht mehr als einmal pro Runde anwenden kann (etwa Beherrschung oder Thaumaturgie). Doch für jede Handlung, mit der er eine Disziplin aktiviert, nimmt der Vampir eine Stufe nicht absorbierbaren tödlichen Schadens. Es gibt nur eine wichtige Ausnahme: Jeder Versuch, durch Geschwindigkeit, weitere Anwendungen von Clothos Geschenk oder andere Kräfte noch weitere Handlungen zu bekommen, führt sofort zum ndgültigen
Tod, da der Vampir zu Asche zerfällt, als hätte ihn die Sonne verbrannt.
••••• • Lachesis’ Kuss
Wahre Brujah mit dieser Kraft können Alterungsprozesse beschleunigen und verlangsamen. Es ist kein Problem, die Zeit in komprimierter Form zu beschleunigen und ein Ziel im Nu um Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte altern zu lassen. Weit schwerer ist es, Entropie zu absorbieren und zu vermeiden und so den Zahn der Zeit stumpf werden zu lassen. Diese Kraft kehrt in keiner Weise die Geschichte um; sie kehrt nur die Auswirkungen der Zeit um oder beschleunigt sie, was Abnutzung angeht. Auch kann ein Ziel nicht in ein früheres oder unvollkommenes Existenzstadium zurückkehren. Bei unbelebten Objekten ist dies der Punkt, an dem sie zusammengebaut wurden. Bei Lebewesen ist es entweder der Punkt des Erwachsenwerdens oder die Geburt (oder deren Entsprechung). Bei Untoten und anderen Leichen ist es der Augenblick des Todes.
System: Damit der Vampir ein Ziel altern lassen kann, setzt der Spieler 2 Blutpunkte ein und würfelt Manipulation + Okkultismus. Die Schwierigkeit entspricht dem wahren körperlichen Alter des Ziels in Jahrzehnten oder dem wahren körperlichen Alter im Falle von Zielen, die bereits widernatürlich gealtert sind, etwa durch diese Kraft. Diese Schwierigkeit kann nicht über 10 steigen oder unter 4 fallen. Der Vampir berührt das Ziel und konzentriert sich 1 Runde lang. Der Kainit kann das Ziel maximal eine Anzahl von Jahren altern lassen, die Sie der folgenden Tabelle entnehmen können, doch sein Spieler kann sich auch mit weniger zufrieden geben. Der Erzähler hat wie immer das letzte Wort darüber, wie sich die Zeit auf ein Objekt auswirkt, aber Lebewesen, die über ihre normale Lebensspanne hinaus altern, gehen rasch zugrunde.
| Erfolge | verstrichene Zeit |
|---|---|
| 1 Erfolg | bis zu 1 Jahr |
| 2 Erfolge | bis zu 5 Jahren |
| 3 Erfolge | bis zu 10 Jahren |
| 4 Erfolge | bis zu 50 Jahren |
| 5 Erfolge | bis zu 100 Jahren |
| 6+ Erfolge | bis zu 100 Jahren pro Erfolg über 5 |
Dem Zahn der Zeit entgegenzutreten ist mühsamer, es erhöht die Schwierigkeit des Aktivierungswurfs um 1. Zudem erleidet der Vampir 1 Stufe nicht absorbierbaren tödlichen Schadens pro Erfolg, den sein Spieler anzuwenden beschließt. Wie erwähnt können Gegenstände nicht in einen früheren oder unvollkommenen Zustand zurückkehren. Eine Silbermünze kann wieder glänzen und frisch geprägt wirken, wird aber nicht wieder zum ungeformten Metallklumpen. Desgleichen mag ein Erwachsener direkt hinter die Schwelle des Erwachsenalters zurückkehren oder ein Kind wieder zum Neugeborenen werden, aber beide können nicht in einen pränatalen Zustand zurückfallen. Auch wirkt sich diese Kraft nur auf Schäden und Verschleiß aufgrund von Zeit aus. Ein Kind mit einer Amputation, das wieder zum Baby wird, wird seinen verlorenen Arm nicht zurückgewinnen, und ein zerbrochenes Schwert wird nichts Besseres werden können als gut gearbeitete Stücke.
Beide Anwendungsform dieser Kraft verändern die geistigen oder magischen Eigenschaften ihres Ziels nicht. Intelligente Wesen behalten all ihre Erinnerungen und Geistesstörungen. Ein Vampir, der bis zum Zeitpunkt seines Todes regrediert, bleibt Vampir, er wird nicht zur leblosen Leiche — und erinnert sich ach wie vor an all seine Disziplinen und behält alle Veränderungen seiner Generation aufgrund von Diablerie bei. Doch ein ausreichend weit gealterter Vampir wird deutlich blasser oder verliert eventuelle Spuren von Diablerie aus der Aura.
••••• •• Betrug an den Parzen
Während ein Vampir mit Clothos Geschenk sich selbst im Verhältnis zur Welt beschleunigen kann, kann ein Vampir mit dieser Kraft komplett aus der Zeit heraustreten. In diesem kurzen Hiatus sieht der Kainit die Welt wie eingefroren. Er kann gemütlich umhergehen, Schlägen ausweichen oder sich zurückziehen, ohne dass es jemand mitbekommt. Er kann sogar Gewalt anwenden, etwa indem er jemanden schlägt, wobei allerdings der Schaden erst entsteht, wenn er wieder in den Zeitfluss eintritt. Doch diese Kraft wirkt sich verheerend auf den untoten Leib eines Vampirs aus. Wenn ein Vampir sie allzu sorglos einsetzt, tritt er vielleicht aus der Zeit, nur um bei der Rückkehr zu Asche zu zerfallen.
System: Der Spieler setzt 1 Willenskraft- und 3 Blutpunkte ein und würfelt Geistesschärfe + Okkultismus (Schwierigkeit 7). Man kann diese Kraft als Automatismus zur Verteidigung aktivieren; ein so hektischer Einsatz jedoch senkt die maximale Wirkungsdauer auf eine einzige Runde. Ein Scheitern bedeutet nur vergebliche Liebesmühe und Blutverschwendung, während ein Patzer für jede gewürfelte 1 eine Stufe schwer heilbaren Schadens verursacht.
Bei Erfolg tritt der Charakter für eine Anzahl von Runden, die den gewürfelten Erfolgen entspricht, aus dem Zeitfluss (auch außerhalb eines Kampfes dauert eine Runde, was diese Kraft angeht, nur 3-5 Sekunden). Diese Runden gibt es nur für den Vampir, der Rest der Welt steht still.
Er kann in dieser Zeit alles tun und so viele Handlungen vornehmen, wie er will, kann aber keine Disziplinen nutzen – nicht mal angestammte oder ständig wirksame wie Stärke. Wenn der Vampir in diesem Zustand jemanden angreift, kann das Ziel weder ausweichen noch parieren. Wickeln Sie den Angriff normal ab, aber ermitteln Sie keinen Schaden. Doch wenn der Vampir sich verletzt, etwa weil er sich dem Sonnenlicht aussetzt oder durch eine eingefrorene Flamme schreitet, kommt dieser Schaden sofort zum Tragen.
Der Vampir kann seinen Aufenthalt außerhalb des Zeitflusses jederzeit beenden oder warten, bis die Wirkung der Kraft endet und die Zeit wieder einsetzt. Ehe etwas anderes geschieht, sogar bevor der von dem Vampir angerichtete Schaden ermittelt wird, würfeln Sie 1 Würfel pro Runde, die der Vampir sich außerhalb der Zeit aufgehalten hat. Die Schwierigkeit entspricht dem Temporis-Wert des Vampirs. Pro Erfolg nimmt der Kainit 1 Stufe nicht absorbierbaren, schwer heilbaren Schadens. Wenden Sie diesen Schaden gleichzeitig mit dem Schaden an, den in der Zeit gefangene Opfer genommen haben, und spielen Sie in derselben Runde und mit derselben Initiativreihenfolge weiter, in der der Vampir aus der Zeit getreten ist.
••••• ••• Clios Kuss
Diese Kraft, eine der subtilsten Manifestationen der höheren Temporis-Stufen, gestattet einem Vampir, Ereignisse, Gegenstände und sogar Personen aus der Vergangenheit herbeizurufen.
Clios Kuss heißt nach der Muse der Geschichte und ist die Kraft, den Zeitfluss zu umgehen und etwas – oder jemanden – in die Gegenwart zu holen. Einige Gelehrte der wahren Brujah nutzen sie, um die Geschichte zu beobachten, wie sie wirklich war, während andere in der Vergangenheit nach Hilfe oder verlorenen Besitztümern suchen. Mindestens zwei konzertierte Versuche der wahren
Brujah, so ihren vorsintflutlichen Stammvater zu beschwören, sind fürchterlich gescheitert.
Niemand weiß, ob noch ein Weiser existiert, der diese Kraft beherrscht. Allgemein hofft man, das Wissen um Clios Kuss sei verloren gegangen — einen dritten Versuch kann sich die Blutlinien nicht leisten.
System: Der Spieler setzt den halben gegenwärtigen Blutvorrat des Charakters (aufrunden) ein und würfelt Widerstandsfähigkeit + Okkultismus (Schwierigkeit 8). Die Kraft scheitert automatisch, wenn der Spieler weniger als 5 Blutpunkte einsetzt. Die Anzahl der Erfolge legt die maximale Zeitspanne fest, über die sich der Zugriff des Charakters erstreckt:
| Erfolge | Zeit |
|---|---|
| 1 Erfolg | 24 Stunden |
| 2 Erfolge | 1 Monat |
| 3 Erfolge | 1 Jahr |
| 4 Erfolge | 10 Jahre |
| 5+ Erfolge | 100 Jahre pro Erfolg über 4 |
Wenn ein Vampir diese Kraft erfolgreich einsetzt, materialisiert sich die Szene, nach der er sucht, um ihn herum und ersetzt kurzfristig seine gegenwärtige Umgebung. Diese Veränderung kann maximal so viel Raum einnehmen wie ein Ballsaal oder ein Außenbereich von entsprechender Größe (Spielleiterentscheid). Die Kraft lässt jeden innerhalb dieses Bereichs die heraufbeschworenen
Ereignisse wahrnehmen, doch nur der Vampir kann mit der Szene interagieren (auch wenn er möglicherweise unsichtbar und körperlos bleibt). Alle anderen müssen körperlose Beobachter bleiben, bis sich die Zeit wieder einstellt und die Szene verblasst. Sie können sich bewegen, um ihren Blickwinkel zu verändern, sonst aber nichts tun.
Wenn der Vampir ein Objekt oder eine Person aus der Szene entfernen will, um sie in die Gegenwart zu holen, muss der Spieler permanent 1 Willenskraftpunkt opfern. Dann verblasst die heraufbeschworenen Szene, und die gegenwärtige Realität stellt sich wieder ein. Zurück bleibt nur der beschworene Gegenstand bzw. die beschworene Person.
Diese Kraft kann den Lauf der Geschichte nicht signifikant verändern. Sollte ein Gegenstand oder eine Person in der Zeit, aus der sie entfernt werden, noch eine bedeutende Rolle zu spielen haben, bricht die Last der Zeit auf den Vampir herein, und der Zeitfluss reißt ihn davon. Ob solche Torheit zur Vernichtung führt oder den Vampir weit in die Zukunft schleudert, ist unbekannt und wird man vermutlich niemals erfahren. Desgleichen verschwinden alle Veränderungen wieder, die der Vampir an einer herbeibeschworenen Szene vornimmt, sobald er sie verlässt. Wie bei einem Schauspiel kann man Details verändern, indem man Komparsen entfernt, doch das Szenenbuch bleibt gleich – so grausam das auch sein mag, Karthago muss zerstört werden.
Wie immer hat der Erzähler das letzte Wort, was man mit dieser Kraft erreichen kann und muss nicht alle Einschränkungen offenlegen, bis ein Vampir versucht, eine Veränderung vorzunehmen. es ist möglich, eine Person von einem Zeitpunkt knapp vor ihrem Tod herbeizurufen, vorausgesetzt, sie ist ohne Beobachter gestorben. Desgleichen kann man ein Manuskript, das mit der Bibliothek von Alexandria verbrannt ist, von dem Zeitpunkt herbeirufen, da sein letzter Leser ist aus der Hand gelegt hatte. Die Bibliothek von Alexandria selbst herbeizurufen wäre allerdings unmöglich, nicht nur wegen ihrer Größe, sondern auch wegen der Notwendigkeit ihres Untergangs und der Bedeutung ihrer Ruinen. Zu guter Letzt kann man auch die vorherige Form eines derzeit existierenden Gegenstandes nicht herbeirufen, und sei es nur, weil seine fortgesetzte Existenz eine gewisse Bedeutung für geschichtliche Abläufe nahelegt. Erzähler müssen nicht über alle Nebeneffekte des Paradox nachdenken, doch diese Kraft lässt sich trefflich missbrauchen und sollte entsprechend eingeschränkt werden.
••••• •••• Atropos in den Arm fallen
Diese Manifestation von Temporis ist zugleich die auffälligste und subtilste Veränderung der Zeit – die Kraft der zweiten Chancen. Die Existenz dieser Kraft ist nur Theorie und ängstlich geflüstertes Gerücht, denn wer könnte schon wissen, wann oder wie die Zeit selbst zerfaserte und sich veränderte?
System: Der Spieler setzt 1 permanenten Willenskraftpunkt und 3 Blutpunkte ein und würfelt Geistesschärfe + Okkultismus (Schwierigkeit 8). Jeder weitere permanente Willenskraftpunkt, den er über den ersten hinaus einsetzt, bringt 1 automatischen Erfolg für den Wurf. Die Anwendung dieser Kraft ist ein Automatismus und kann jederzeit stattfinden, selbst wenn der Vampir in dieser Runde schon andere Disziplinen eingesetzt hat. Bei Erfolg kehrt der Geist des Kainiten in ein früheres Ich zurück, behält aber alle Erinnerungen an die Ereignisse, die stattgefunden haben, jetzt aber nur möglicherweise stattfinden werden.
Dieses Zurückspulen kann pro gewürfeltem Erfolg 1 Runde in die Vergangenheit führen und verursacht ebenso viele Stufen nicht absorbierbaren, schwer heilbaren Schadens. Wenn der Vampir nichts unternimmt, läuft alles genauso ab wie zuvor. Sobald der Vampir etwas Neues tut, verändert sich die Zeit, und eine neue Zukunft entsteht – das Schicksal steht nicht mehr fest.