Gefallen

Das Versprechen eines Kainskinds an ein anderes nennt man Gefallen. Gefallen gibt es in vielerlei Ausführung, von trivialen bis hin zur Unlebensschuld. In manchen Domänen funktionieren Gefallen wie Kredite, denn dort muss ein Vampir erst einen Gefallen schulden, ehe ein anderer Vampir ihm einen erweist; andere Kainskinder müssen den betreffenden Vampir als vertrauenswürdig erachten. In anderen Domänen ist das Gegenteil der Fall: Je mehr Gefallen ein Kainskind schuldet, desto weniger ist es imstande, sie zurückzuzahlen, so die allgemeine
Annahme. In allen Domänen gibt es allerdings eine universelle Wahrheit: Ein Gefallen ist ein Gefallen, und es gibt keine Möglichkeit, aus dieser Verpflichtung wieder herauszukommen, ohne ihn zu erfüllen oder von dem Individuum, dem der Gefallen geschuldet wird, davon entbunden zu werden.

Kritiker und Beobachter der Gesellschaft der Kainskinder legen großen Wert auf die Feststellung, dass die Rahmenbedingungen von Gefallen mit den Möglichkeiten des Vampirs, der sie schuldet, wachsen. Für einen Prinzen mag es ein kleiner Gefallen sein, jemanden, der gegen die Traditionen verstoßen hat, zu begnadigen, doch für ein Küken mag es eine Unlebensschuld abgelten, vor dem Erzbischof einen Meineid zu leisten, um einen abweichlerischen Priscus zu entlasten. Sehr zum Bedauern des Schuldners ist der „Wechselkurs“ nicht immer zu dessen Gunsten, daher geht der Priscus, der dem Neugeborenen eine Unlebensschuld schwört, eine wirklich bedeutsame Schuld ein, vor allem, falls der Neugeborene sich rasch durch die Ränge des Sabbat nach oben arbeitet und feststellt, dass seine eigene Definition von „Unlebensschuld“ sich zum Positiven verändert.

Gefallen überschreiten auch Sektengrenzen und hebeln sogar die Autorität lokaler Koryphäen und Führungspersönlichkeiten aus. Das alte Sprichwort „Mitgefangen, mitgehangen“ gilt hier ebenso, was nicht unproblematisch ist.

Wenn ein Kainskind einem anderen, das zum Ziel einer Blutjagd erklärt wird, eine Unlebensschuld schuldet, wird der Gefallen dadurch nicht getilgt. Es ist verdammt, wenn er den Gefallen erweist (indem es das Ziel einer Blutjagd unterstützt), aber auch, wenn es dies nicht tut (da es dann ein gegebenes Versprechen bricht). Manche Prinzen und Erzbischöfe gestatten in derlei Fällen den Erlass von Gefallen, aber die Problematik der besonderen Umstände bleibt of an jenen haften, die einen speziellen Dispens erhalten, der sie von ihren Versprechen entbindet. Kainiten
sind ein wankelmütiges Völkchen.

Natürlich zeigen diese Schwierigkeiten auch, warum das System der Gefallen und Gegengefallen so verworren ist.

Inhaltsverzeichnis

Das Weben des Netzes

Eine Schuld in diesem Wechselspiel zu etablieren ist einfach. Entweder bittet ein Kainskind ein anderes im Austausch für einen Gefallen zu einem späteren Zeitpunkt um Unterstützung in irgendeiner Angelegenheit, oder ein Kainit unterstützt einen anderen in der Not (unter der Prämisse, dass dieser den Gefallen später erwidert). Die klügsten Kainskinder führen sehr genau Buch über geschuldete Gefallen und achten sorgsam darauf, sich nicht in mehr Verpflichtungen zu verstricken, als sie jederzeit erfüllen können. Bei den formelleren Sekten, Camarilla und Sabbat,
kann man die Schulden des Wechselspiels im wahrsten Sinne des Wortes jederzeit einfordern, daher ist es klug, wenn man dafür sorgt, dass man in der Lage ist, einen Gefallen auch ungeachtet der Umstände zu erfüllen.

Allerdings häufen nicht alle Kainskinder freiwillig Gefallen an. Ahnen sind wahre Meister darin, jüngere Kainskinder in Positionen zu manövrieren, in denen ihnen keine andere Wahl bleibt, als um Hilfe zu bitten, wodurch sie in die Knechtschaft des Ahnen geraten. Die Beziehungen unter den Verdammten spielt in dieser gesellschaftlichen Dynamik natürlich eine außergewöhnlich große Rolle. Es kann sein, das der Mentor eines Kainskinds der Meister eines anderen ist. Beispielsweise kauft die von dem Ahnen Meshenko Kovich manipulierte Holding das Gebäude, in dem ein vielversprechender Neugeborener einen Nachtklub etabliert hat, auf und schikaniert ihn postwendend mit Vertragsbrüchen, „proaktiven“ Untersuchungen des Gesundheitsamts, Flächennutzungsbürokratie und Mieterhöhungen. Irgendwann bleibt dem Neugeborenen kaum eine andere Wahl, als Schutz zu suchen, was ihn an Kovichs Tür führt. Der Ahn tut ihm den Gefallen, und somit hat der Neugeborene seinen ersten Ausflug ins Spinnennetz des Wechselspiels der Verdammten unternommen. Das mag sich ein wenig nach den Schutzgelderpressungen oder
dem Quasi-Feudalismus des organisierten Verbrechens anhören, aber das liegt daran, dass es nichts anderes ist.

Veteranen der ewigen, qualvollen Chronik der kainitischen Verpflichtungen ziehen es überdies vor, potenzielle Schuldner in gefährliche Situationen zu manövrieren und dann auf dramatische Weise zu retten, damit das unglückselige Opfer in ihrer Schuld steht. Eine Taktik in diesem Zusammenhang ist, Wissen über die Zuflucht eines Vampirs an dessen Rivalen oder gar einen Jäger durchsickern zu lassen und sich dann einzumischen, wenn der Feind etwas unternimmt. Nach der Rettung ist es nur noch ein kleiner Schritt, dem Neugeborenen irgendeine Art Privileg im eigenen Territorium zu gewähren („Deines ist eindeutig nicht sicher“). Allmählich, Nacht für Nacht, mit jedem Gefäß und jedem Gefallen schuldet das Opfer dann seine gesamte Existenz
der Gnade seines nicht ganz uneigennützigen Wohltäters.

Umgekehrt haben sich manche Kainskinder als eine Form des Schutzes die Taktik zu Eigen gemacht, so viele Gefallen wie möglich zu schulden. Sie gehen von der Theorie aus, dass ihre zahlreichen Gläubiger darauf aus sein werden, dass sie in einem Stück bleiben, um ihre Schulden begleichen zu können. Tendenziell funktioniert das in Domänen der Camarilla besser als in denen der Anarchen oder des Sabbat. Unter den Tal’mahe’Ra gäbe es auch nicht viele, die einen derartigen Unsinn tolerieren würden.

Die Grundlage

Die meisten jungen Kainskinder erlernen die Kunst dieses Wechselspiels (wenn sie Glück haben) als die Kunst, Gefallen zu gewähren und zu leisten. Moderne Kainskinder definieren es oft als „Eine Hand wäscht die andere“. Leider erfahren viele Neugeborene von diesem Wechselspiel erst, wenn erfahrene Ahnen, grausame Erzeuger oder hinterhältige Mentoren sie ausnutzen und ihnen
keine Chance geben, unter günstigeren Bedingungen davon zu erfahren. Von den Verdammten ist auch nichts anderes zu erwarten, oder?

Viele unerfahrene oder verzweifelte Kainskinder (Küken wie Ancillæ gleichermaßen) fanden sich aufgrund ihrer Unkenntnis über die verschiedenen Schichten des Wechselspiels schon in entsetzlicher Schuld stehend wieder. Meist ist das nicht ihre Schuld. Viele Kainiten miterhabenem Status, die Abmachungen aushandeln, haben schon nachgeholfen, indem sie beschlossen, ein Kainskind nicht über seinen potenziellen Fehler in Kenntnis zu setzen oder es absichtlich mit Fehlinformationen zu füttern, wenn es ihnen in den Kram passte. Dadurch erhielten sie natürlich die Gelegenheit, dem Unglücklichen zu helfen, indem sie ihm eine andere Schuld aufbürdeten,um die erste zu begleichen.

Die Unverletzlichkeit dieses Systems ist jedem Kainskind wichtig, das von der Hierarchie und dem Status Quo profitiert, vor allem aber jenen Ahnen, die Jahrhunderte mit der Kultivierung umfassender Netzwerke der Schuld zugebracht haben. Wenn es plötzlich akzeptabel würde, die gegebenen Versprechen zu brechen, würde mit einem Schlag die ganze Gesellschaft der Kainskinder, das komplexe, die Jahrhunderte umspannende Netz aus Verpflichtungen und Gefallen wertlos. Natürlich haben nur wenige Ahnen egal welcher Sekte die Absicht, das zuzulassen.
Ihre Investitionen in Gefallen sind wichtige Ressourcen für die Mini-Dschihads, die jedes Kainskind führt. Daher hat jeder Vampir unabhängig von seiner Sekten- oder Clanzugehörigkeit ein berechtigtes Interesse daran, die Förmlichkeit des Systems der Wechselspiele zu bewahren, ob Schuldner oder Gläubiger. Alles andere repräsentiert den kompletten Zusammenbruch der Gesellschaft der Kainskinder: das gesetzlose Es des Tieres.

Erfüllung von Gefallen

Zwar kann eine Domäne mit einem rigorosen System festhalten und beobachten, wer wem einen Gefallen schuldet, doch die Erfüllung eines Gefallens ist vergleichsweise einfach. Sobald
das Kainskind, dem jemand einen Gefallen schuldet, diesen für erfüllt erklärt, war es das; es ist vollbracht. Nichtsdestotrotz kann ein wenig Kontoführung erforderlich sein. In Domänen, in denen die Harpyien (oder jemand mit einem anderen Titel) das Wechselspiel im Auge behalten, kann es sein, dass der Kainit, dem der Gefallen erfüllt wurde, die Ausführung des Gefallens berichten muss. In sehr formell agierenden Domänen kann es sogar sein, dass ein Gefallen nur im Elysium oder bei einer anderen Versammlung der Vampire der Domäne erfüllt (oder gewährt) werden darf.

Betrug

Angesichts der Natur der Kainskinder erweist sich ein so einfacher Gesellschaftsvertrag selbst als potenzieller Sumpf. Wenn der Erstgeborene der Nosferatu einem Ancilla der Gangrel erklärt, sein Gefallen sei erfüllt, dann aber „vergisst“, den Gefallen als erfüllt erklärt zu haben, welche Möglichkeiten bleiben dem Gangrel? Wer wird einem dreckigen Hinterwäldler Glauben schenken? Wenn
der Nosferatu mit harten Bandagen kämpft, wer wird dann glauben, dass ein Erstgeborener in einer so ernsten Notlage war, dass er die Hilfe eines durch die Einöde streifenden Emporkömmlings benötigte?

Ein Kainit ist nur so viel wert wie sein Wort, und wenn der Erstgeborene der Nosferatu zulässt, dass irgendwelche Ancillæ behaupten, er habe den Gesellschaftsvertrag missbraucht, nun, dann ist an den Vorwürfen vielleicht doch etwas dran. Selbst sektenübergreifend verdient ein Vampir, der bereit ist, so offensichtlich und schamlos andere Kainskinder zur persönlichen Bereicherung aufs Kreuz zu legen, das, was er dafür als Strafe erhält. Es ist nicht so, dass die kainitische Gesellschaft den mittellosen, desillusionierten Ancilla der Gangrel beschützen will. Vielmehr ist es so, dass niemand von den anderen hereingelegt werden will, und wenn man einen potenziellen Rivalen, der den schnellen und einfachen Weg zur Macht gewählt hat, handlungsunfähig machen kann – umso besser. Tatsächlich ist möglicherweise sogar der Prinz daran interessiert, dem hinterhältigen Erstgeborenen der Nosferatu einen Dämpfer zu verpassen, und wenn dabei auch noch ein zu ehrgeiziger Gangrel in seine Schranken verwiesen wird, sind das gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Wenn die Macht so einfach zu ergreifen wäre, könnte jedes charakterlose Küken, dem
noch die Scheiße an der Ferse klebt, sein eigener Prinz sein.

Daher sorgen strenge Domänen für die Einhaltung der Regeln des Wechselspiels von Gefallen und Gegengefallen, indem sie Absicherungen schaffen. Mit dem wiederholten Einsatz von Beherrschung lässt sich feststellen, ob ein bestimmter Gefallen ehrenvoll erfüllt wurde. Die Tremere verfügen über Rituale, die aus einer gespaltenen Zunge die Lügen austreiben können, und bestimmte Riten des Sabbat und die Hexenkünste der Tal’mahe’Ra haben ähnliche Auswirkungen. Selbst in der Anarchen-Bewegung kann die gute, altmodische Folter ein Geständnis
eines noch nicht eingehaltenen Versprechens einbringen (auch wenn die Fehlerspanne dabei größer ist).

Zwar ist ein Kainskind, das versucht, sich aus einer Schuld herauszumogeln, schon schlimm dran, doch wenn  es stattdessen einfach denjenigen, dem es den Gefallen schuldet, vernichtet, um einer Einlösung zu entgehen, so erwartet es eine noch viel schlimmere Behandlung (sofern sein Verrat ans Licht kommt). In den meisten Fällen werden die Ahnen einer Domäne die meisten Gefallen einfordern können, daher wären sie auch die wahrscheinlichsten Ziele für einen „Schuldenerlass“, wenn Vernichtung ein so einfacher Ausweg aus einem gegebenen Versprechen wäre. Um verzweifelte Kainskinder abzuschrecken, neigen Ahnen und andere Meinungsmacher unter den Verdammten dazu, mit jedem, der ein anderes Kainskind vernichtet, um so seinen gegebenen Verpflichtungen zu entgehen, sehr hart ins Gericht zu gehen. Kainskinder, die sich für den endgültigen Tod des Gläubigers anstelle der Einlösung eines Versprechens entscheiden, können bestenfalls auf die Lextalionis hoffen oder werden bei der nächsten Blutorgie als Blutlieferant aufhängt. Das Schlimmste mag unaussprechlich sein – doch in der Gerüchteküche der Kainskinder
sind viele grässliche Geschichten in Umlauf, um andere Möchtegern-Eidmörder abzuschrecken.

Die Machthaber einer Domäne sind Eidbrechern meist nicht wohlgesonnen. Ob nun ein Prinz oder ein Seraph die ultimative Autorität ist, letztlich kommt es auf das Vertrauen an. Ein Kainskind, das ein Versprechen bricht, zeigt, dass es seine Interessen über die anderer stellt, und wenn der Fortbestand der Kainskinder so sehr davon abhängt, dass die Existenz der Verdammten vor der Welt der Sterblichen verborgen bleibt, kann man einem Vampir, dem man die Einhaltung eines Versprechens nicht zutraut, auch nicht zutrauen, dass er ein Geheimnis bewahrt. Die meisten
Anführer der Kainiten schlussfolgern, dass eine blutige, endgültige Erfüllung oft den sichersten Weg darstellt. Ein treuloses Kainskind wird erneut Verrat begehen, daher ist es besser, man entfernt es aus der Domäne. Besser, auf der sicheren Seite zu sein, als mit einem Pflock im Herzen dem Sonnenaufgang entgegenzusehen.

Sektenübergreifende Gefallen und Gegengefallen

Aus genau diesem Grund halten die Vampire aller Sekten sich (mal mehr, mal weniger) an die Konventionen des Wechselspiels von Gefallen und Gegengefallen. Der sektenübergreifende Austausch von Gefallen ermöglicht den Zugang zu Ressourcen und Taktiken, die jenen, die nicht über den Tellerrand der eigenen Ideologie hinwegsehen
wollen, nicht immer zur Verfügung stehen. Wenn der Erzbischof diesen scheinheiligen Giovanni nicht in seiner Domäne haben will, warum sollte es dann ein Prinz wollen? Die Vampire der anderen Sekten sind immer noch Kainskinder, und ein Abtrünniger, der heute Nacht von einem gegebenen Versprechen zurücktreten will, wird vielleicht schon morgen Nacht von einem dir gegebenen Versprechen zurücktreten wollen. Aufgeklärtes Eigeninteresse ist das Motiv hinter allen Traditionen, und dabei ist es egal, ob ein Prinz oder ein Monitor sie durchsetzt.

Das soll nicht heißen, dass alles schön und gut ist, wenn Kainiten unterschiedlicher Fraktionen gegenseitig das Wechselspiel von Gefallen und Gegengefallen nutzen. Hardliner jeder Sekte nehmen eine „Wir-gegen-die“- Haltung ein und zweifeln die Loyalität dessen an, der den Gefallen zugesagt hat. Ein Kainskind, das zu sehr davon profitiert, „abseits der Regeln“ seiner Sekte zu operieren,
kann dadurch Status oder Titel verlieren. Das Kainskind muss vielleicht einen Zehnt an Vitæ entrichten, Blutsbande akzeptieren oder ist möglicherweise darauf angewiesen, hinter dem Rücken seiner Sekte zu operieren. In liberaleren Domänen kann es andererseits vorkommen, dass niemand auch nur mit der Wimper zuckt – solche Fälle können tatsächlich anderen, die ihre Interessen ebenfalls ausweiten wollen, den Weg ebnen.

Es versteht sich von selbst, dass die schwierigsten Beziehungen des Wechselspiels von Gefallen und Gegengefallen zwischen den Sekten die zwischen Camarilla und Sabbat sind, da die Philosophien dieser beiden Sekten einander diametral entgegenstehen. Allerdings werden ausgetauschte Gefallen zwischen Mitgliedern der Camarilla und der Anarchen-Bewegung vielfach ebenfalls genau geprüft, da der Erfolg der einen Sekte oft zum Problem für die andere wird. Wie kann ein fanatisch konservativer Prinz einem Untertanen vertrauen, der offenen Umgang
mit einem Rudel Terroristen pflegt, die sich allem entgegenstellen, wofür sein Titel steht?

Gelegentlich ist die Einheit des Clans wichtiger als die Loyalität zur Sekte. Dann rücken die Mitglieder der dreizehn großen Familien der Kainskinder (und oft auch die der marginalisierten Blutlinien) zusammen, um sich Bedrohungen von außen zu stellen. Vor allem unter den Clans Nosferatu, Gangrel, Malkavianer und Brujah ist ein dem eigenen Blut gegebenes Versprechen wichtiger als die allgemeine Treue zur eigenen Ideologie. Beachten Sie, dass diese Clanloyalitäten meist für jene Clans gelten, die normalerweise entrechtet oder auch sonst hinsichtlich
des künstlichen Gebildes der Sekten weniger fanatisch eingestellt sind. Wenn die Machthaber die Clansidentität geringschätzen, finden die Betroffenen Trost gerade in dem, was die Herrschenden unterdrücken. Die Nosferatu sind in dieser Hinsicht sicher am aktivsten, denn das große Informationsnetzwerk, das die Kanalratten verbindet, funktioniert ohne Rücksicht auf Geographie oder Ideologie. Ein Geheimnis ist ein Geheimnis, und der Wert dieser Information geht weit über das hinaus, was ein Möchtegern-Tyrann der Ventrue oder Lasombra will.

Wie immer schafft die Politik der Kainskinder seltsame Bettgenossen. Kainskinder mit Unternehmergeist oder unorthodoxen Herangehensweisen stellen oft fest, dass sich ihre größten Gegner in den Reihen ihrer angeblichen ideologischen Kameraden finden. Kleingeister erzeugen teuflische Kontroversen.