Traditionelle Hochburgen: Alamut (Assamiten), Kairo (Jünger des Set), Venedig (Giovanni), Kalkutta (Ravnos)
In den letzten paar Jahrhunderten hat der tödliche Tanz zwischen der Camarilla und dem Sabbat die Gesellschaft der Vampire verändert.
Ihr blutiger Dschihad hat die geheime Geschichte der Welt geprägt und dabei Millionen Sterbliche das Leben gekostet. Doch es gibt Clans, die sehen, wie sich die beiden Sekten im Namen ihrer uralten Fehde gegenseitig an die Kehle gehen und beschließen, dass sie sich das lieber von außen anschauen.
Diese vier Clans können sich rechtmäßig als solche bezeichnen, und ihnen ist ein starkes Desinteresse an der Beteiligung am Krieg zwischen Camarilla und Sabbat gemein. Zugegeben, einzelne Mitglieder dieser Clans (üblicherweise jüngere Kainskinder) tauchen von Zeit zu Zeit in den Reihen einer der beiden Sekten auf, doch die Ahnen der unabhängigen Clans haben eigene Ziele, die der Zugehörigkeit zu einer Sekte oder auch nur die Loyalität einer solchen gegenüber zuwiderlaufen.
Natürlich sind unabhängige Kainskinder in erster Linie Vampire und erst in zweiter Linie Clans-Mitglieder; sie sind nicht alle uneingeschränkt und unerschütterlich den Idealen ihres Clans verpflichtet. Die meisten von ihnen kümmern sich zunächst um ihre persönlichen Ziele, ob diese nun denen ihres Clans zuwiderlaufen oder nicht. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass es außenstehende Kainskinder noch mehr verwirrt, da nicht klar ist, ob ein Unabhängiger im Interesse seines Clans handelt, aus persönlichem Antrieb oder aus einer Mischung aus beidem. (Vielleicht tut er auch so, als sei das eine der Fall, in Wirklichkeit ist es aber das andere). Unabhängige sind immer unberechenbare Größen, deren Verhalten man nicht anhand von Sektenpolitik oder Clansgesetzen voraussagen kann.
Zumindest sehen das Außenstehende so.
Es geht das Gerücht, dass die Ahnen der unabhängigen in größerer Zahl wach sind als die anderer Blutlinien. Ein Clan hat einen Vorsintflutlichen, der ihn seit Jahrhunderten aktiv in seinen Zielen unterstützt. Ein anderer scheint Vorteile daraus zu ziehen, andere Kainskinder zu vernichten.
Die furchterregenden Methusalems eines dritten sollen gerade erwachen und möglicherweise ihre Kinder darauf vorbereiten, gemeinschaftlich irgendein schreckliches Ziel zu erreichen. Was den vierten angeht …
Trotz des Geredes setzen die Kinder der Unabhängigen ihre Aktivitäten fort, als sei alles in bester Ordnung, und erweisen ihren Clans so viel Loyalität wie Vampire, die einer Sekte angehören. Wenn sie in der Tat Marionetten ihrer Vorsintflutlichen Erzeuger sind, wissen sie es offenbar nicht – oder noch schlimmer, sind sich dessen voll bewusst und haben sich stillschweigend damit
abgefunden.
Inhaltsverzeichnis
Die Clans
Die vier unabhängigen Clans haben außer ihrer Verachtung für Sekten wenig gemeinsam. Jeder verfolgt seine eigenen Ziele, und jeder definiert seine Rolle im Dschihad anders. Sie legen gegenüber den jeweils anderen eine gewisse Scheu an den Tag und halten inmitten der Tradition der Camarilla und des Chaos des Sabbats ihre eigenen Gesetze hoch.
Die Assamiten
Die Assamiten (die sich selbst Kinder Haqims nennen) sind ein Clan mörderischer Vampire. Seit vielen Jahren dienen sie als unabhängige Auftragskiller, Meuchelmörder, die für jeden arbeiten, der sie mit Blut bezahlt. Von allen Unabhängigen werden die Assamiten von den anderen am meisten gefürchtet, sowohl wegen ihrer Rolle als Assassinen als auch wegen der Gerüchte über ihren
Durst nach Ahnenblut.
Obwohl sie traditionell als mordende Söldner tätig waren, stellen einige Kinder Haqims in den heutigen Nächten infrage, ob es ihnen nicht nützen könnte, einer der Sekten anzugehören. Letztlich jedoch folgen die meisten Assamiten dem Willen und den Befehlen Alamuts, ihrer angestammten Hochburg, sowie ihren eigenen, internen Grundsätzen, die unter dem Sammelbegriff Gesetze Haqims bekannt sind. Die loyalsten Assamiten glauben, andere Vampire seien eine Seuche, die es auszulöschen gilt, während andere behaupten, man müsse die Kainskinder einzeln nach ihren Sünden aburteilen (und möglicherweise vernichten), aber nicht nur, weil sie Vampire sind.
Die Jünger des Set
Die Jünger des Set verachten die Sekten aus unterschiedlichen Gründen. Sie behaupten, die Erben einer Tradition zu sein, die weit älter ist als die des Sabbat und der Camarilla und höhnen über die Vorstellung, ihre ererbten Aufgaben im Namen einer Modetorheit ruhen zu lassen, die erst ein paar Jahrhunderte alt ist. Die Gebote des finsteren Glaubens dieses Clans reichen angeblich
zurück bis in die ersten Nächte der Zivilisation, und dieser alte Stammbaum geht vor rein politischen Fragen. Die Setiten, wie sie sich auch nennen, sind sich aber nicht zu schade, im Kampf zwischen den beiden Sekten eine sehr söldnerähnliche Rolle zu spielen. Ihr Clan existiert an geheimen Orten, wo er auch der Verehrung Sets nachgeht, und das verschafft ihm Zugang zu gehortetem Wissen und finsteren Gefallen, die er jedem Vampir für einen gewissen Preis anbietet. Viele Kainskinder erkennen die Falle, die der Umgang mit den Setiten darstellt, und doch kommen die Kainskinder immer wieder zu ihnen, auch wenn sie jedes Mal schwören, dass es diesmal ganz sicher das letzte Mal gewesen ist. Jeder eingegangene Handel bringt die Setiten dem Ziel, das ihr vorsintflutlicher Gründer ihnen gesteckt hat, einen Schritt näher: der Wiederauferstehung Sets selbst.
Die Giovanni
Die Giovanni sind in mehrerlei Hinsicht ein Clan – in ihren Adern fließt nicht nur das gleiche Vampirblut, die Mehrzahl ihrer Neugeborenen, die den Kuss empfangen, sind sterbliche Nachfahren der Clans-Mitglieder. Die isoliert lebenden Giovanni verfolgen eifrig zwei Ziele – die Ansammlung materiellen Wohlstands und weltlicher Macht sowie die Entdeckung der Geheimnisse des Todes. Beides bringt den gesamten Clan voran. Nur ein paar wenige vertrauenswürdige Ahnen wissen, dass ihr Gründer, Augustus Giovanni, das Wissen und die Macht des Clans nutzen will, um das Leichentuch zu zerreißen, dass das Reich der Toten von dieser Welt trennt.
Die Giovanni sehen offen gestanden keine Notwendigkeit für Sekten. Sie haben die letzten Jahrhunderte ganz auf sich allein gestellt überdauert; sie brauchen keinen Schutz vor Sterblichen durch irgendeine leicht durchschaubare Maskerade. Sie haben in Gestalt ihrer Familie alle Verbündeten, die sie brauchen, und brauchen keine fremde Hilfe. Was kann ihnen die Mitgliedschaft in einer Sekte bringen, dass sie nicht auch so durch Abmachungen, Geschäfte und gelegentlich durch Spionage erreichen können?
Sie haben versprochen, sich nicht in die Angelegenheiten der Camarilla einzumischen (und umgekehrt), doch insgesamt sind die Giovanni äußerst selbstgenügsam und stehen vollkommen außerhalb der Autorität der Sekten. Das und ihre Meisterschaft der Nekromantie macht vielen Vampiren große, große Angst.
Die Ravnos
Die Ravnos sind Meister der Illusion, die ihr Blut zum Laster treibt. Sie sind zuerst sich selbst verpflichtet, dann ihrem Clan und sonst niemanden. Die nomadischen Ravnos sind sicher der am losesten organisierte, unabhängigste Clan und sind über die ganze Welt verstreut. Sie reisen ungehindert zwischen den Territorien des Sabbat und der Camarilla hin und her, denn die meisten Prinzen und Erzbischöfe haben gelernt, dass es mehr Ärger bringt, zu versuchen, einen Ravnos aus seiner Stadt fernzuhalten als zu warten, bis der Vampirlump sich langweilt und weiterzieht.
Den Ravnos ist Sektenpolitik schlicht egal, und die meisten Vampire erachten sie als unfähig, eine größere Rolle im Dschihad zu spielen. Sie wirken zu chaotisch und undiszipliniert, um als Marionetten im Dschihad zu dienen – und diesen Ruf genießen die Ravnos. Der Clan glaubt, eines Tages werde sein Gründer erwachen und alle anderen Vorsintflutlichen vernichten. Bis dahin wandern seine Mitglieder ohne Zugehörigkeit zu einer Sekte umher und sehen keinen Grund, daran etwas zu ändern.
Die Camarilla
Die haben zweifellos etwas vor. Einige dieser „unabhängigen“ Kainskinder tröpfeln so nach und nach in den Elfenbeinturm herein, aber viel zu viele von ihnen tun nach wie vor, was sie wollen, ohne sich von einer Gesellschaft oder von Gesetzen Einschränkungen auferlegen zu lassen. Allein haben sie uns nichts entgegenzusetzen, aber sie sind mächtig genug, um das Gleichgewicht der Macht zu verändern.
Der Sabbat
Diese Clans behaupten, frei zu sein? Blödsinn. Sie sind ebenso sehr Marionetten der Vorsintflutlichen wie die Camarilla. Es hat keinen Sinn, einen Giovanni in seinem Landhaus oder einen Setiten in seinem Tempel zu vernichten, aber wenn die Welt untergeht, werden sie fallen wie alle anderen auch.
Die Anarchen
Die Typen haben es gerafft. Sie halten sich aus dem Dschihad heraus, schmieden ihre eigenen Pläne, und die Leute hören ihnen zu. Das nenne ich Freiheit, Mann. Zu schade, dass ich keinem dieser Wichser auch nur so weit traue, wie ich ihn werfen kann.