Die Tremere enthüllten die Blutlinie der Gargylen 1167, und seither sind die Sklaven ein ständiger, wenn auch seltener Teil der Kainskindergesellschaft. Tatsächlich sind die Gargylen vielleicht ein Grund dafür, dass die Tremere nicht in den ersten paar Jahrhunderten ihrer Existenz komplett ausgelöscht wurden. Diese seltsamen Quasi-Kainskinder sehen oft aus wie ihre steinernen Namensgeber – steinhäutige, hässliche, geflügelte Kreaturen, deren einziger Daseinszweck es ist, ihren Herrn zu dienen.
Jedenfalls viele Jahrhunderte lang. In jüngerer Zeit jedoch haben viele der Sklaven ihre Ketten gesprengt und sich der Camarilla angeschlossen. Warum die Gargylen beschlossen haben, sich der Sekte anzuschließen, die auch ihre früheren Herren beschützt, darüber mag sich jeder selbst Gedanken machen. Eine der Theorien lautet, der Entschluss entspringe ihrem Verlangen, ihren früheren Herren kollektiv eine lange Nase zu drehen, aber die meisten Kainskinder halten die Gargylen nicht für so tiefgründig. Wahrscheinlich haben die Steinköpfe schlicht und ergreifend
erkannt, dass man in der Camarilla ihre Talente zu schätzen weiß und niemand versuchen wird, sie herumzukommandieren (zumindest nicht direkt).
Gargylen entstehen aus anderen Kainskindern, und diese hässliche Tatsache führt dazu, dass ihre Erschaffung in der höflichen Vampirgesellschaft selten erörtert wird. Die Tremere beginnen mit einem Gangrel, Nosferatu oder Tzimisce und führen mit seinem Blut, seinem Herzen und seiner Haut obszöne, blutige Rituale durch. Vitae eines anderen Vampirs (eines der beiden anderen Clans) dient dann dazu, eine heftige Mutation hervorzurufen, mit dem Ergebnis, dass manche Gargylen einfach grässlich aussehen (sie sind auf der Basis eines Nosferatu entstanden), manche wild (sie sind auf der Basis eines Gangrel entstanden) und manche fleischig mit Knochenspornen (sie sind auf der Basis eines Tzimisce entstanden). Keine der Gargylen kann als Mensch durchgehen.
Die Tremere dulden die Zugehörigkeit der Gargylen zur Camarilla – schließlich können sie sie ja nicht einfach wieder versklaven. Aber natürlich ist die Beziehung zwischen beiden Gruppen angespannt. Die Revolte der Gargylen und ihre Aufnahme in die Camarilla haben die verbleibenden Sklavengargylen praktisch zum Untergang verurteilt, da ihre Herren jetzt ganz besonders
aufmerksam auf jedes Zeichen des Verrats von ihrer Seite achten. Die Tremere sind sich auch nicht zu schade dafür, ihren Sklaven hypnotische Suggestionen einzupflanzen, damit sie selbst, wenn sie je rebellieren sollten, immer noch von Nutzen für den Clan sind.
Spitzname: Früher Sklaven, doch ist bekannt, dass freie Gargylen für die Verwendung dieses Begriffs schon Schädel eingeschlagen haben. Weitere gebräuchliche Spitznamen sind Steinköpfe, Ausreißer, Freibürger und Groteske.
Sekte: Gargylen schließen sich üblicherweise der Camarilla an. Ein Sklave kann sich auch dem Sabbat anschließen, aber die Blutlinie insgesamt sieht das nicht gern.
Erscheinungsbild: Nicht alle Gargylen sehen aus wie die grotesken Steinfiguren, die an alten Gebäuden als Wasserspeier hängen, aber sie alle sind albtraumhaft. Bei einigen ragen aus manchen Körperstellen unmotiviert Haken hervor, oder sie haben einen seltsamen, hoppelnden Gang. Die meisten Gargylen haben eine graue, steinartige Haut. Alle Gargylen haben Flügel. Sie wachsen,
je besser der Charakter fliegen lernt (s. S. 447).
Zuflucht: Sklavengargylen schlafen, wo es ihnen ihre Herren erlauben – in Wandschränken, Kellern, Grüften oder Zellen. Freie Gargylen ziehen es vor, in hoch gelegenen Zufluchten zu übernachten. Glockentürme und leer stehende Hochhäuser zählen zu ihren Lieblingsplätzen. Gargylen dienen anderen Kainskindern oft als sprechende Muskeln, manchmal auch im Austausch
für eine unmöblierte Zuflucht.
Hintergrund: Der Erschaffungsvorgang von Gargylen läuft selten nach einem erkennbaren Muster ab. Die Verwandlung quält den Körper der neuen Gargylen, weil sie ihre Knochen verlängern und spalten müssen, um die Flügel auszubilden. Das Gesicht verzerrt sich, und es bleibt nichts zurück, woran man den Vampir erkennen könnte. Der größte Teil ihrer Vergangenheit löst sich einfach unter dem okkulten Ansturm auf.
Charaktererschaffung: Körperliche Attribute, Talente und ein paar ausgewählte Fertigkeiten (zum Beispiel Nahkampf) sind Spezialgebiete der als Sklaven erschaffenen Gargylen. Alle Gargylen
beginnen mit mindestens einem Punkt in der Disziplin Fliegen. Keine Gargyle kann ein Erscheinungsbild über 0 haben. Gargylen, die die Tremere erschaffen, haben dieselbe Generation wie das Kainskind, das als ihre „Grundlage“ diente.
Clandisziplin: Fliegen, Seelenstärke, Stärke, Visceratika
Schwächen: Die Sklaven sind hässlich. Ihr groteskes Äußeres ist vielgestaltig, führt aber immer zu Erscheinungsbild 0. Sie sind auch enorm anfällig für Gedankenkontrolle, ungeachtet aus welcher Quelle. Der Willenskraftwert einer Gargyle (der gegenwärtige wie der dauerhafte) wird immer als 2 Punkte niedriger gesetzt, wenn es darum geht, solchen Kräften zu widerstehen.
Organisation: Gargylen haben ein seltsames Gemeinschaftsgefühl. Sie unterhalten oft gemeinsame Zufluchten. Manchmal bitten Gargylen den Prinzen um die Freilassung von Sklavengargylen, häufiger aber zerfetzen sie die Sklavenhalter einfach. Ohne Gemeinschaft wird ein Gargyle wahrscheinlich jemandem den Kuss schenken und sich eine eigene Gemeinschaft aufbauen.
Camarilla: Unsere neue Heimat. Hier schreit uns niemand an oder schlägt uns oder verbrennt uns mit Spiegeln und Licht. Hier fragt man höflich, und wir dürfen um ein Entgelt in Blut bitten. Paradiesisch.
Sabbat: Die sind so brutal. Außerdem haben sie einander so lieb. Trotzdem brennen meine Augen, wenn ich an sie denke. Warum ist das wohl so?
Tremere: Ich werde nie wieder ein Sklave sein. Nie wieder.
Camarilla: Fick dich, Merlin. Sie gehören jetzt zu uns allen.
Sabbat: Was glaubst du, woher die das Rohmaterial für diese Monster kriegen? Oh, die ach so zivilisierte Camarilla.
Ravnos: Bist du unterwegs in die Stadt? Viel Glück! Vergiss nicht, nach oben zu schauen!