Im Allgemeinen kennt die Gesellschaft der Verdammten
vier Klassifizierungen von Gefallen.
Inhaltsverzeichnis
Trivialer Gefallen
Diese Gefallen kann man am leichtesten erlangen und erfüllen. Ein trivialer Gefallen kann beispielsweise darin bestehen, ein hungriges Kainskind bei der Suche nach Blut zu unterstützen, einen feindseligen Vampir verbal zu besänftigen und so eine mögliche Raserei zu verhindern, einen Neugeborenen an den Türstehern des angesagtesten Clubs auf der Piste vorbeizubekommen oder einem bluttrunkenen Bekannten, der zu knapp vor Sonnenaufgang noch draußen war, einen Schlafplatz anzubieten. Triviale Gefallen sind leicht einzulösen und normalerweise nur mit wenigen Nachteilen verknüpft, sieht man einmal von der Mühe ab, die zu ihrer Durchführung notwendig ist. Nichtsdestoweniger behalten die Kainskinder ihre Gezeiten genau im Auge.
Schließlich kann man nie wissen, wann sich jemand plötzlich als widerspenstig erweist, den man dann an die unzähligen Kleinigkeiten erinnern muss, die andere unter den Verdammten um seinetwillen tun.
Geringfügiger Gefallen
Um geringfügige Gefallen zu erfüllen muss sich ein Kainskind große Mühe geben. Es kann sein, dass mit ihnen ein kleiner, aber permanenter Nachteil verbunden ist, oder vielleicht muss man dafür auch ein gewisses Risiko eingehen. Dieses Risiko muss nicht physisch sein. Tatsächlich ist für viele Kainskinder das Risiko einer gesellschaftlichen Peinlichkeit oder der Verlust einer akademischen Ressource viel besorgniserregender als die Aussicht auf körperliche Schmerzen. Die Stimmabgabe zugunsten eines anderen Kainskindes während einer Versammlung der Ahnen, die Bereitstellung eines Gefäßes in einer verzweifelten Lage oder das Verstecken eines Kainskindes (ohne Fragen zu stellen) vor einem vor Rachedurst wahnsinnigen Malkavianer, der nach seinem Blut giert, sind Beispiele für geringfügige Gefallen.
Großer Gefallen
Ein großer Gefallen kann das kainitische Beziehungsgeflecht in einer Domäne direkt oder indirekt verändern. Solche Gefallen gehen zweifellos mit persönlichem Risiko oder einem bedeutenden Aufwand einher. Auch in diesem Fall muss es sich nicht um physische Risiken handeln. Ein gerissener Toreador kann beispielsweise ein wildes Caitiff-Rudel finanzieren, damit es in der Domäne eines verhassten Tremeres Amok läuft, wobei er selbst das Risiko der Enthüllung und des Verlusts seines eigenen Status und Einkommens eingeht. (Sobald andererseits die Caitiff den Tremere gepfählt und ihn entsorgt haben, ist der Toreador wiederum in der Lage, herbeizueilen und sich den Besitz des Tremeres zu schnappen … bis die Caitiff ihn leid sind und um einen weiteren Gefallen betteln, um ihre Schuld ihm gegenüber zu tilgen oder ihre Verstrickung in das bedauerliche Verschwinden zu verwischen.) Große Gefallen tut man meist nicht impulsiv, sie repräsentieren vielmehr einen steten Aufwand an Zeit oder Ressourcen, bei dem mit einem langfristigen Ergebnis zu rechnen ist. Davon abgesehen kann ein Kainit, der verzweifelt auf der Suche nach einem Gefallen ist, natürlich auch im Gegenzug für eine rasche, aber folgenschwere Tat einen großen Gefallen in Aussicht stellen. Große Gefallen bestehen beispielsweise darin, einen Vampir zum Ziel einer clanweiten Blutrache erklären zu lassen, den Prinzen davon zu überzeugen, die Gewährung eines Jagdgebiets zu annullieren, die Verbündeten, die ein anderer Vampir bei der Polizei hat, mit Informationen über die illegalen Aktivitäten einer Bande von Kainskindern zu versorgen oder in einer politischen Ratssitzung mit den anderen Bischöfen bei einer Abstimmung nicht wie erwartet, sondern für das Gegenteil zu stimmen.
Unlebensschuld
Die Unlebensschuld ist der seltenste und wertvollste Gefallen, den die Verdammten kennen. Ironischerweise handelt es sich dabei meist um die Gefallen, die trotz ihrer Schwere von einem Augenblick auf den anderen versprochen oder eingefordert werden. Wie der Name schon andeutet sind diese Gefallen meist das Einzige, was zwischen einem Kainiten und dem endgültigen Tod steht. Sie müssen nicht unter unlebensbedrohlichen Umständen entstanden sein. Ein streitsüchtiger Anarch kann beispielsweise einem rivalisierenden Anarchenrudel im Gegenzug für den Sturz eines von beiden Seiten verachteten Barons eine Unlebensschuld versprochen haben, um im Tausch seinen eigenen Anspruch geltend zu machen, sobald das Werk vollbracht ist. Doch die Mehrzahl der Lebensgefallen sind schwerwiegend und werden unter großer und drohender Gefahr geschworen. Manche Kainskinder genießen die Ironie, die mit dem Titel des Gefallens einhergeht: Da Vampire untot sind, besteht eine herrliche Schadenfreude darin zu bestimmen, wofür ein anderes Kainskind sein Unleben zu geben bereit wäre. Beispiele für eine Unlebensschuld sind die Errettung eines Kainskindes aus existenzbedrohender Gefahr, aber auch die Verschleierung eines schwerwiegenden Geheimnisses, der Schutz eines sterblichen Geliebten oder die Bereitstellung eines Alibis, ohne zu wissen, welches entsetzliche Verbrechen der um den Gefallen bittende Kainit zu verbergen sucht. Manche ehrenvollen Vampire würden sogar den endgültigen Tod erleiden, um eine Unlebensschuld zu begleichen, so groß sind ihr Pflichtgefühl oder ihre Schuld. Solche Kainskinder sind in der Welt der Dunkelheit allerdings ausgesprochen selten.