Vaulderie

Vampire des Sabbats nehmen ihren allnächtlichen Kampf ernst – so ernst, dass sie keinen Widerspruch in den eigenen Reihen dulden. Vom einfachsten neuen Rekruten bis hin zum höchsten Priscus garantieren sich die Sabbatmitglieder ihre gegenseitige Loyalität durch einen blutigen, als Vaulderie bekannten Ritus.

Die Vaulderie entspricht einem Blutsband, unterscheidet sich von ihm aber in Zweck und Funktion. Kein Sabbatmitglied würde je freiwillig ein Blutsband eingehen, mit der Begründung, solche Bande seien die Werkzeuge, mit denen die Ahnen ihre Kinder versklaven. Die Sabbatmitglieder verschwören sich vielmehr in der Vaulderie miteinander und binden sich an das Rudel statt an eine Person und somit an die gute Sache des Sabbats.

Wer die genauen Details der Vaulderie nicht kennt, hält sie vielleicht für ein einfaches Vermischen von Vampirvitæ in einem Gefäß, aus dem man sie dann trinkt. In Wahrheit ist es eine viel mystischere Angelegenheit. Zu Beginn des Ritus nimmt der Priester ein ausschließlich für die Vaulderie vorgesehenes Werkzeug und nichts anderes und schneidet sich das Handgelenk auf. Das rituelle Schneidewerkzeug könnte ein Messerchen sein, ein silbernes Rasiermesser oder eine Ahle. Um dem Ritus mehr Gewicht zu verleihen, benutzen viele Rudel kunstvolle Zeremonialdolche mit eingravierten Spiralen, Wirbeln oder Blutstropfen. Dann vergießt der Priester Blut in ein Gefäß und gibt das Schneidewerkzeug allen anwesenden Sabbatmitgliedern weiter, die sich in ihr eigenes Fleisch schneiden und Blut in den Kelch vergießen. Dann kreist der Kelch erneut im Rudel, und der Priester rezitiert eine Beschwörungsformel, die ihn als schreckliches Sakrament
weiht, während jedes Rudelmitglied einen Schluck nimmt.

Vaulderien finden zu allen möglichen Zeiten statt – vor Angriffen, bei wichtigen Sabbatversammlungen, zu Beginn der Erschaffungsriten neuer Mitglieder und fast immer bei Rudelversammlungen. Dieser kultische Brauch ist wahrscheinlich der grundlegendste der Sekte und genießt größte Hochachtung.

Das Ergebnis dieses Ritus heißt Vinculum oder Blutsbindung. Diese Bindungen verknüpfen alle Rudelmitglieder miteinander, begründen eine gegenseitige Treue und stützen die Moral des Rudels. Doch wegen der mystischen Natur der Vaulderie sind Vincula unvollkommen – was ein Rudelmitglied in einer Nacht für ein anderes empfindet, kann nichts sein im Vergleich zu den Emotionen der nächsten Nacht. Vinculumwerte können sich jedesmal ändern, wenn der Ritus durchgeführt wird.

Ohne die Vaulderie bräche der Sabbat vermutlich unter der Last seiner eigenen Dogmen zusammen – das Chaos und die Anarchie, die der Sekte auf dem Fuße folgen, würden das bisschen Organisation hinwegfegen, die sie ohne die durch diesen Ritus geschaffene Sympathie und Loyalität hätte. Wer sich der Vaulderie enthält oder dagegen ist, ist bei anderen Sabbatmitgliedern nicht gern gesehen. Vampire, die nicht mindestens einmal monatlich an der Vaulderie teilnehmen, schneidet das Rudel im besten Falle – oder vernichtet sie einfach.

Wenn ein Charakter zum ersten Mal an der Vaulderie teilnimmt (oder bei der Erschaffung eines Sabbatcharakters), würfeln die Spieler aller Charaktere, deren Vitæ am Ritus beteiligt ist, 1W10. Das Ergebnis ist der Vinculumwert des Charakters zu dem, dessen Blut er getrunken hat; die Auswirkungen der einzelnen Vinculumwerte entnehmen Sie bitte der Tabelle. Jedesmal, wenn ein neues Mitglied an der Vaulderie teilnimmt, sollte jeder Spieler 1W10 würfeln und sich seinen Vinculumwert dem neuen Charakter gegenüber aufschreiben.

Jedesmal, wenn das Rudel an der Vaulderie teilnimmt, sollte danach jeder Spieler 1W10 für jeden bestehenden Vinculumwert würfeln. Ist das Ergebnis höher, steigt der Wert um 1 (Maximalwert 10). Bei einer 1 sinkt er um 1 (Minimalwert 1).

An dieser Stelle sollte man erwähnen, dass diese Gefühle künstlich sind, genau wie die durch Blutsbande entstehenden, denn sie werden durch das Trinken von Blut hervorgerufen.
Es ist durchaus möglich, dass ein Charakter jemanden abgrundtief hasst, für den er sein Unleben riskieren würde, genau wie man jemanden innig lieben kann, zu dem man einen
sehr geringen Vinculumwert hat. Wir ermutigen alle Spieler, diese vielschichtigen Fragen in ihren Rudeln rollenspielerisch zur Gänze auszuloten.

Manchmal hat ein Charakter möglicherweise Probleme mit seiner Reaktion in einer bestimmten Situation, weil er gewisse Vinculumwerte einem anderen Vampir gegenüber hat. In solchen Fällen sollte der Spieler entscheiden, wem sein Charakter abgesehen vom Vinculum den Vorzug gäbe. Dann würfelt der Charakter für alle Beteiligten eine seinem Vinculumwert ihnen gegenüber entsprechende Anzahl von Würfeln gegen 5 (für den abgesehen vom Vinculum bevorzugten) bzw. 7 (für alle anderen). Dem Individuum, für das der Charakter die meisten Erfolge erzielt,
hilft er. So geht es den Verdammten mit dem Vinculum – manchmal ist ein Charakter wider besseres Wissen gezwungen, etwas offensichtlich Falsches zu tun, weil er seinen Emotionen folgt. Erzähler sollten Vinculumwürfe in Situationen einsetzten, in denen sie zur Dramatik beitragen, aber wenn man zu sehr auf sie setzt, ärgern sich Spieler vielleicht darüber, von Würfelergebnissen
gegängelt zu werden.

Die Vaulderie kann bestehende Blutsbande brechen. Dazu sind vielleicht mehrere Vaulderien nötig, aber früher oder später wird dem Blut des Rudels nur die mächtigste Vampirvitæ standhalten können. Ein Vampir, der per Vaulderie ein Blutsband brechen will, darf nicht mehr als 1 Blutpunkt in seinem Blutvorrat haben und muß 6 Punkte Vaulderie-Vitæ trinken. An dieser Stelle vergeht das alte Blutsband rasch und weicht fast ebenso schnell einem Vinculum an die, aus deren Blut die Vaulderie bestand. Ein Vampir dagegen, der Vincula durch ein neues Blutsband zu ersetzen versucht, wird enttäuscht sein – wenn sein Blut nicht sehr mächtig ist, lassen sich Vincula so leicht nicht brechen. Im Gegensatz zu normalen Blutsbanden vergehen Vincula mit der Zeit nicht – ein Vinculum ist nach Jahrhunderten noch so stark wie in der Nacht seines Entstehens. In der Tat haben viele Sabbatahnen große Netzwerke von Vincula, die sie mit Sektenmitgliedern auf der ganzen Welt verbinden.

Vinculumwerte

VinculumAuswirkung
10Sie würden für den Betreffenden jederzeit den endgültigen Tod erleiden – oder töten.
9Sie würden für ihn praktisch alles tun, auch sich in große Gefahr begeben.
8Sie würden ihm jederzeit Ressourcen zur Verfügung stellen oder große Gefallen erweisen.
7Sie würden ein nicht allzu hohes Risiko für den Betreffenden eingehen, Schaden für ihn nehmen und je nach Ihren moralischen Kodizes auch für ihn töten.
6Sie empfinden viel für den Betreffenden und helfen ihm, auch wenn es Ihnen gerade nicht passt. Sie würden jederzeit für ihn kämpfen.
5Sie achten den Betreffenden und helfen ihm, solange es kein großes Risiko ist und keine allzu große Mühe bereitet.
4Sie helfen dem Betreffenden, so lange es kein Risiko birgt und Ihnen keine Mühe bereitet.
3Sie sind dem Betreffenden gegenüber loyal, solange es Ihre Pläne nicht stört.
2Sie empfinden dem Betreffenden gegenüber eine gewisse Geistesverwandtschaft, aber Sie
würden sich keine große Mühe geben, ihm zu helfen, wenn es Ihnen nichts bringt.
1Scheiß drauf. Das ist nicht gerade Feindschaft, aber vom Vinculum her ist Ihnen die Person egal, auch wenn Sie sie persönlich vielleicht mögen.