Nosferatu

Nosferatu_SymbolWer bezweifelt, dass der Kuss ein Fluch ist, muss sich nur mal die Nosferatu anschauen. Während andere Vampire noch menschlich aussehen und sich in der Gesellschaft der Sterblichen bewegen können, sind sie nicht mehr nach dem Bilde Gottes geschaffen; das Kainsmal verzerrt ihre Gestalt und macht sie in den Augen der Menschen zu Missgeburten. Deshalb halten sie sich mürrisch in den Schatten, und andere Kainskinder reagieren auf ihr albtraumhaftes Erscheinungsbild oft mit Zorn oder Spott. Wieder andere reagieren auf die Nosferatu mit so viel Abscheu oder Entsetzen, dass diese missgebildeten Kainskinder insgesamt nur wenige Sozialkontakte haben.

Man muss den Nosferatu zugute halten, dass sie viele Geheimnisse ihrer Artgenossen kennen, von denen diese nur im Flüsterton sprechen. Als Informationshändler
nötigen die Kanalratten anderen Kainskindern Respekt ab, zumal sie ein übernatürliches Talent zur Heimlichkeit besitzen und viele Kainskinder sie lieber ignorieren als zur Kenntnis nehmen würden.

Gerissene Nosferatu nutzen das voll aus und schlagen Profit aus der Heuchelei anderer Vampire.

Insgesamt ist die Existenz der Nosferatu eine einsame, entfremdete. Ihre Reaktion auf den Kainsfluch hängt von ihrer Einstellung und ihrer geistigen Stärke ab, aber es ist schwer, Gegenstand allgemeinen Abscheus zu sein, ohne dass das die eigene Einstellung gegenüber anderen Kainskindern in gewisser Weise prägt.

Manche Kanalratten sind grausam, innerlich ebenso verpfuscht wie äußerlich, während andere tragische, elende Kreaturen sind, die ohne eigenes Zutun zu einem ewigen Außenseiterdasein verdammt wurden. Einige wenige Kanalratten stilisieren sich gar zu Propheten oder Avataren, physische Versinnbildlichungen des ewigen Rätselworts „Ich bin ein Tier, um nicht zum Tier zu werden”.

Spitzname: Kanalratten

Sekte: Der Clan Nosferatu gehört zumindest nominell zur Camarilla, doch werden viele seiner Mitglieder Autarkis oder unterstützen lieber die Anarchen, als sich durch das trügerische gesellschaftliche Labyrinth des Elfenbeinturms zu tasten. Manche vertreten sogar die Auffassung, dass die Nosferatu die Camarilla brauchen, denn ohne sie hätten sie keine Kunden für ihren regen Handel mit Geheimnissen.

Erscheinungsbild: Körperliche Abscheulichkeit ist das Los der Nosferatu, und ihre schrecklichen Missbildungen sind zahllos. Keine zwei Nosferatu haben exakt dieselben Missbildungen, und der Clan ist ein Kuriositätenkabinett von verwachsenen Gliedmaßen, aus Mündern ragenden Fängen, teuflischen Fratzen, schlangenartigen  Wirbelsäulen, entstellten Antlitzen, zuckenden Gliedmaßen und sogar Körperteilen, die bei den Menschen, aus deren Reihen die Nosferatu ja entstanden sind, eigentlich gar nicht vorkommen. Die Kanalratten verbergen diese Missbildungen oft unter weiten Roben und Lumpen, aber manche genießen das Unbehagen auch, dass ihre Anwesenheit auslöst, und machen sich nicht die Mühe, sie zu tarnen. Manche betonen sie gar.

Zuflucht: Kainskinder des Clans Nosferatu haben ihre Zuflucht oft fernab des Hohns und des Spottes anderer Vampire. Ob sie nun Baue in der Kanalisation errichten, wie es ihr Spitzname nahelegt, oder im Turm einer verlassenen Kirche ein weitläufiges Albtraumnest erbauen, die Kanalratten schätzen Ungestörtheit und die Abwesenheit
von Rivalen in ihrer Zuflucht. Nosferatu, die wenig begütert sind, schlagen ihr Lager manchmal durchaus in einer leerstehenden Wohnung oder einer nicht mehr benutzten Gasse auf. Eine Zuflucht ist dann gut, wenn sie weit entfernt von anderen Kainskindern liegt.

Hintergrund: Die Kanalratten gehören meist zu einer von zwei Kategorien. Manche Nosferatu schenken den Kuss den Makelbehafteten, Ausgegrenzten oder  Niederträchtigen, weil sie sich ihnen verbunden fühlen. Andere geben den Kuss wie eine Strafe weiter und zerren die Schönen oder Privilegierten in eine unsterbliche Hölle der Entstellung und Monstrosität.

Charaktererschaffung: Viele Nosferatu haben als Konzept, Wesen und Verhalten Einzelgänger oder Außenseiter. Sie ziehen körperliche und geistige Attribute den gesellschaftlichen vor und sind meist recht ausgewogen im Hinblick auf Talente, Fertigkeiten und Kenntnisse. Nosferatu spezialisieren sich lieber, was ihre Hintergründe
angeht, als sich breit aufzustellen, bevorzugen aber die, bei denen es um Gefallen geht, etwa Verbündete, Kontakte, Mentor und vielleicht sogar ein wenig Einfluss.

Clandisziplinen: Stärke, Tierhaftigkeit, Verdunkelung

Schwächen: Alle Nosferatu haben Erscheinungsbild 0 und können diesen Wert niemals steigern. Streichen Sie ihn vom Charakterbogen. Würfelvorräte, die die Eigenschaft
Erscheinungsbild beinhalten, stellen für diese hässlichen Kainskinder von Natur aus ein Problem dar.

Organisation: Gelegentlich wird ein Klüngel von Nosferatu zur Brut oder zu einem Kult, was häufig in einem abgelegenen Bau geschieht. Diese Gruppierungen können sich zu gewaltigen „Königreichen“ von Kanalratten ausweiten, von denen die Prinzen oder Erzbischöfe der jeweiligen Domäne oft gar nichts wissen. Die Nosferatu sind diejenigen Kainskinder, die am ehesten eine Gemeinschaftszuflucht mit Clansgeschwistern teilen werden, und sei es nur um der zahlenmäßigen Überlegenheit willen. Auch tauschen die Nosferatu Informationen mithilfe von Netzwerken aus – digitalen, persönlichen, okkulten und weniger klar definierbaren –, die sich dem Verständnis anderer Kainskinder entziehen.

Hier unten ist niemand außer uns Schreckgespenstern. He, wem gehört denn der Kopf hier?Zitat
Stereotype

Assamiten: Geheimnisse gegen Amnestie – das erscheint mir fair.
Brujah: Verursacht Funkenregen. Nicht auf das eigene Gesicht richten. Stattdessen auf irgendein anderes Arschloch.
Gangrel: Wir haben einiges gemeinsam, da wir beide Außenseiter sind, aber man muss im Umgang mit ihnen trotzdem vorsichtig sein.
Giovanni: Drunten in der Kanalisation sehen wir einen Haufen Scheiße, aber nie so viel, wie wenn ein Giovanni in unsere Richtung unterwegs ist.
Jünger des Set: Die wollen unsere Seelen — üblicherweise so lange, bis sie zum ersten Mal deren Gestank mitkriegen.
Lasombra: Ich versuche ja normalerweise, mich in den Schatten zu halten, aber wenn ich weiß, dass einer dieser Widerlinge meine Nummer hat, fühle ich mich im Licht der Straßenlaternen wohler.
Malkavianer: Siehst du mein Gesicht? So sieht es im Hirn dieser Irren aus. Nur dass es noch blutet.
Ravnos: Diese Lügenhändler geben tolle Sündenböcke ab, aber sie sind echt nachtragend.
Toreador: Verkauf ihnen die schmutzige Wäsche ihrer Clansgeschwister, und sie werden sich gegenseitig die Augen auskratzen. Nur so kommt man mit ihnen klar.
Tremere: Die sind nicht mal Vampire, wusstest du das? Sie haben in grauer Vorzeit irgendwas gemacht, und jetzt werden sie es nicht mehr los.
Tzimisce: Ich sehe so aus, weil ich muss. Diese Wichser sehen freiwillig so aus. Das ist die Art und Weise der Natur, uns anderen zu sagen: „Bleibt bloß weg von denen“.
Ventrue: Hochwohlgeboren, bis sie einen brauchen. Verlangt das Doppelte, wenn sie was wollen. Sie können es sich leisten.
Caitiff: „Ich habe meinen Vater nie gekannt!” Mir kommen die Tränen.
Camarilla: Da brat mir aber einer einen Storch – die glauben doch tatsächlich, ihre Domänenansprüche gelten auch in der Kanalisation.
Sabbat: Entweder monumental leichtgläubig oder geradezu biblisch böse; jedenfalls ist man besser dran, wenn sie woanders sind.
Anarchen: Klar, das kaufe ich dir ab. Zumindest für heute Nacht.