Der Pfad Kains

Inhaltsverzeichnis

Spitzname: Nodisten

Tugenden: Überzeugung und Instinkt

Haltung: Glaube. Die Ehrbarkeit des Kainiten ist für jeden klar ersichtlich. Der Haltungsmodifikator beeinflusst alle Würfe, die auf dem Bild des Vampirs als gläubiges Kainskind und Anhänger der Lehren Kains beruhen.

Grundlegende Überzeugungen: Auf der Suche nach Hinweisen auf das Wesen der vampirischen Existenz jagten Scholaren längst vergangener Nächte nach Wissensbruchstücken aus dem Buch Nod. Kainitische Gelehrte bedienten sich der in diesem Werk überlieferten Geschichte und anderer esoterischer Quellen und kamen zu dem Schluss, nur Kain als erster Vampir sei das Urbild des vampirischen Wesens. Die Nodisten wollen Kain ähnlicher werden, um so die Grenzen und Kräfte des vampirischen Seins auszuloten. Indem man sich ein Beispiel an Kain nimmt, so erklären die Nodisten, könne man das wahre Wesen des Vampirismus verstehen und begreifen, wie sich die vampirische Existenz vom Leben Sterblicher unterscheidet. Nodisten streben nach Wissen und geschichtlichen Kenntnissen und schreiben die Erfahrungen Kains nieder, um von seinem Vorbild zu lernen. Für Nodisten enthüllt Kains Existenz das Geheimnis des Fluchs des Vampirismus; indem sie das vampirische Dasein begreifen, wachsen sie über ihre Schwächen als Sterbliche hinaus. Ihnen ist jegliches Wissen über die vampirische Daseinsform kostbar, aber die Schriften und Geschichten über den ersten Vampir bilden den Kern der nodistischen Überlieferung. Da Gott Kain zeichnete und aus der menschlichen Gesellschaft ausstieß, so glauben
die Nodisten, bezeichnet er am deutlichsten den Unterschied zwischen Vampiren und Menschen. Deshalb geben die Anhänger dieses Pfades ihre Menschlichkeit als unangemessen und nutzlos auf, ahmen Kains Exil nach und suchen neue Regeln zur Steuerung ihrer Raubinstinkte. Im Kern des Pfades Kains liegt die Exemplifizierung des vampirischen Wesens: Die Frage nach seiner Existenz, nach den Grenzen des Vampirkörpers und nach den Veränderungen, die der Kuss mit sich bringt, stürzen Nodisten in endlose Spekulationen, Diskussionen, Studien und Forschungsvorhaben. Gelehrsamkeit und historische Erkenntnisse sind wertvoll, aber der Vampir muss sich zugleich spirituell und körperlich weiterentwickeln, um die Grenzen seines untoten Körpers kennenzulernen.

Diablerie bedeutet mehr als einen reinen Raub von Macht; sie erlaubt ihrem Anwender, aus den Einsichten anderer Untoter zu lernen und so alles besser zu begreifen. Andere Vampire verzetteln sich in Versuchen, ihre verlorene Menschlichkeit zu retten oder in einer dubiosen Philosophie Erfüllung zu finden. Der Pfad Kains dagegen untersucht die Bedeutung der Grundlagen
des Vampirismus. Der Pfad Kains ist mühevoll und beschwerlich; nur wenige Vampire folgen seinen Geboten heutzunacht noch. Dieser Pfad legt viel Wert auf Lehrsamkeit, Einsicht und Disziplin. Aus der ewigen Geduld, die man Kain zuschreibt, erwächst, so die Anhänger des Pfades, die Chance, sich selbst langsam zu bessern.

Die Ethik des Pfades

  • Untersuche die Geschichte Kains. Lerne aus seinem Handeln.
  • Entwickle deine Willenskraft und deinen Raubinstinkt. Das Tier lässt sich wie der Rest des vampirischen
    Seins meistern.
  • Nimm die Vitæ Unwürdiger, um Kain näherzukommen. Relativiere diese Annäherung mit der Reflexion über dein eigenes Potenzial, damit du erkennst, was der Fluch in Wahrheit bedeutet.
  • Passe dich den Erfordernissen deines neuen Zustands an; vergiss deine verlorene Menschlichkeit.
  • Studiere deine Befähigungen und die Kains, um zu entdecken, was zu dir gehört. Erforsche die Grenzen und Bedeutungen des Vampirismus.

Geschichte

Der Pfad Kains entwickelte sich Anfang des 16. Jahrhunderts, als Vampire in der Renaissance neue Wege zur persönlichen Erkenntnis suchten. Viele Vampire hatten das Bedürfnis nach einem System zur Selbstverbesserung, das über die Grenzen humanistischer Überzeugungen hinausging, da die Moral der Menschen im Widerspruch zum Wesen der Vampire stand. In den nächsten 200 Jahren fand dieser Pfad viele Anhänger, da viele Vampire Kain als Idealbild sahen. Nach der Aufklärung verlor er Anhänger an neuere Pfade.

Nur wenige Vampire hatten die nötige Disziplin und den erforderlichen Lerneifer, um diesem Pfad weiter zu folgen. Also schmolz seine Anhängerschaft zu einer kleinen, aber eifrigen Gruppe zusammen. Die übrigen Nodisten respektierte man im Sabbat auch weiterhin, und sie rekrutierten weiter neue Anhänger aus den intellektuellsten und kenntnisreichsten Kandidaten. Nun, da der heutige Sabbat neue Küken aufgrund ihres individuellen Potentials und ihrer Errungenschaften auswählt, erlebt dieser Pfad den Zulauf zahlloser neuer Anhänger.

Gegenwärtige Praktiken

Dieser Pfad spricht nur die introvertiertesten und nachdenklichsten Vampire an; in der Tat vertritt der gesamte Sabbat einen Teil der Theorien (nicht aber der Praktiken) dieses Pfades. Seine Anhänger konzentrieren sich auf persönliche Entwicklung, führen aber auch Kreuzzüge und Gotcha-Partien an, um an verborgenes Wissen und die mächtige Vitæ von Ahnen zu kommen. Zusätzlich leiten viele Adepten dieses Pfades oft Rituale und Schauspiele, die die Geschichte des Vampirismus würdigen, oder nehmen zumindest an ihnen teil. Nodisten hassen die wahllose Weitergabe des Kusses im Krieg, sie wählen lieber sorgfältig vielversprechende Rekruten aus den Reihen der Sterblichen aus. In letzter Zeit gaben viele Nodisten das Gelehrtendasein auf und ziehen nun mit nomadischen Rudeln umher. Viele erkunden die Welt und ahmen Kains Wanderungen nach. Diese „abenteuerlustigen“ Nodisten reisen in der Welt umher und erleben an
verschiedensten Orten, was es heißt, Vampir zu sein.

Beschreibung der Anhänger

Nodisten sind oft zurückhaltend und gebildet, haben gute Geschichtskenntnisse und streben nach Selbsterkenntnis. Anhänger des Pfades haben keinen Forscherdrang in dem Sinne, dass sie deduktiv nach Problemlösungen suchen; sie studieren vielmehr Überlieferungen und historische Ereignisse in der Hoffnung, Antworten auf ihre Fragen zu finden. Kainiten, die diesen Pfad gehen,
zeigen sich oft sehr selbstbeherrscht. Außerdem neigen Nodisten dazu, mit anderen Vampiren zu diskutieren, um zu erfahren, wie andere Kainiten den Fluch erleben. Nodisten übernehmen oft als Rudel-Priester und Bischöfe spirituelle Führungsrollen im Sabbat. Viele andere Kainiten finden Anhänger dieses Pfades hoffärtig und eitel.

Dem Pfad folgen

Kinder Kains sollten ständig nach Erkenntnissen über das Vampirdasein streben, die sie durch Erfahrung, persönliche Entwicklung und okkultes Wissen zu gewinnen hoffen. Diablerie, die Entwicklung von Disziplinen und größere Selbstbeherrschung sind mögliche Mittel zur Verfeinerung des vampirischen Seinszustandes. Nodisten engagieren sich selten in der Politik des Sabbats,
sondern streben stattdessen nach Informationen und Erfahrungen. Sie dienen auch als Priester, die Vampire dazu bringen, nach Erkenntnis und Entfaltung ihres untoten Zustands zu streben. Die Anhänger dieses Pfades gehen mit gutem Beispiel voran, geben sich ganz ihrem monströsen Wesen hin und bemühen sich, mit ihren Unterschieden zu den Menschen ins Reine zu kommen;
dann helfen sie anderen Vampiren, dasselbe zu tun.

Nodisten zögern nicht, ihre Erkenntnisse mit anderen  zu teilen, damit alle Vampire Gelegenheit bekommen, Kain näherzukommen; andererseits häufen sie gefährliche Geheimnisse an, um deren Missbrauch durch andere zu verhindern.

Verbreitete Fähigkeiten: Vampire, die dem Pfad Kains anhängen, sind lerneifrig und philosophisch. Seine  Anhänger ziehen Kenntnisse, besonders des Okkultismus, allem anderen vor, aber man erwartet von Nodisten auch, dass sie den Vampirleib optimal entwickeln können. Deshalb pflegen sie auch Überleben, Nahkampf und Sportlichkeit. Zusätzlich legen die, die gerne diskutieren, Wert auf Ausdruck, Ausflüchte und Führungsqualitäten.

Bevorzugte Disziplinen: Anhänger des Pfades Kains bevorzugen die Disziplinen, die als den Vampiren „angestammt“ gelten, etwa Auspex und Präsenz. Disziplinen, die körperliche Vorteile bringen, etwa Geschwindigkeit, Seelenstärke und Stärke, sind besonders wertvoll. Manche Nodisten lehnen den Einsatz von Disziplinen ab, die das Buch Nod nicht ausdrücklich erwähnt, etwa Thaumaturgie und Serpentis, weil sie behaupten, diese entsprächen nicht der Entwicklung Kains. Andere Anhänger des Pfades behaupten, solche Disziplinen sprächen nur für eine bessere Beherrschung des Vampirseins. Die meisten Kainiten dieses Pfades beschränken sich auf die von Kain in den frühen Fragmenten des Buchs Nod genannten Disziplinen, einfach weil er es so vorgemacht hat.

Hierarchie der Sünden des Pfades Kains

WertMoralische RichtschnurErklärung
10nicht jede Nacht ungeachtet der Umstände forschen und studierenDie Suche nach Wahrheit erfordert Hingabe.
9andere Vampire nicht über den Pfad Kains belehrenAlle Vampire müssen Gelegenheit erhalten, ihr Potential auszuloten.
8Freundschaft oder Koexistenz mit SterblichenKain lebte getrennt von Sterblichen, wie es alle Vampire tun sollten.
7mangelnder Respekt für andere Anhänger KainsAlle Kainskinder verdienen aufgrund ihres Erbes Respekt, solange sie sich bemühen, sich selbst zu verstehen.
6in einer Raserei nicht „die Welle reiten“Lenke das Tier; lass dich nicht von ihm lenken.
5RötschreckMeistere deine Angst. Entsetzen ist etwas für mindere
Wesen.
4einen „menschlichen“ Vampir nicht diablerierenWer sein Potential nicht auslotet, der hat es verwirkt.
3nicht regelmäßig an die Grenzen seiner Fähigkeiten und Disziplinen gehenGeh an die Grenzen deiner Befähigung, um dein wahres Wesen zu erkennen.
2bei sich bietender Gelegenheit sich Wissen über Vampirismus nicht aneignenJedes Informationsbruchstück ist ein Mosaiksteinchen zum Verständnis der untoten Existenz.
1Verleugnung vampirischer Bedürfnisse (Weigerung zu trinken, Mitleid oder mangelndes Studium der eigenen Vampirfähigkeiten)Um Vampir zu sein, muss man seine vampirischen Bedürfnisse befriedigen.