Die Familie Giovanni erlangte während der venezianischen Renaissance Berühmtheit und verdiente ein Vermögen mit dem Aufschwung der Mittelschicht und den großen Gewinnen aus ihrem Bankhaus und dem Mittelmeerhandel (und dem Verbrechensimperium, das parallel entstand).
Doch mit dem Aufstieg der Familie kam die Hybris, denn ihr Pater familiae strebte nach mehr Macht, und mit der Hybris kam der Schrecken.
Ein vergessener Vorsintflutlicher schenkte dem Familienoberhaupt Augustus Giovanni den Kuss und führte ihn in die Welt der Verdammten ein, nachdem dieser
sich der Kunst des Kontrollierens der Toten zugewandt hatte.
Eine verschworene Gruppe von Giovanni stürzte einen heute unbekannten Clan ins Vergessen und erbaute ihr eigenes Vermächtnis auf seiner Leiche.
Seit jenen ersten Nächten kennt der Ehrgeiz der Giovanni keine Grenzen, auch wenn Kainskinder anderer Clans und der verdiente Ruf, „Teufelskinder“ zu sein, ihnen im Weg stehen. Sie haben verbotene Künste studiert, die Nigrimantie gemeistert, die ihnen Macht über die Totengeister verlieh, und im Kielwasser dieses unreinen Rituals folgte die Degeneration. Bis heute kennt man die Giovanni als isolierten Clan, der seine Existenz durch inzestuöse Praktiken aufrechterhält. Ein paar wenige nicht verwandte Familien und Fraktionen stehen unter der Schutzherrschaft der Giovanni, aber die große Mehrheit des Clans entstammt direkt der widerwärtigen
sterblichen Familie. Diese ist trotz all ihrer unsagbaren Sünden auch weiterhin erfolgreich und hat durch Verbrechen, Politik und die Geheimnisse der Toten, die
sie erst in ihren Zustand abartiger Opulenz gebracht haben, gewaltigen Wohlstand angehäuft.
In der Öffentlichkeit geben sich die Giovanni gern prunklos und respektvoll. Ein Teil dieses sanften Auftretens ist eine jahrhundertealte Angewohnheit, die noch aus der Zeit stammt, als die anderen Clans die thronräuberischen Nekromanten jagten (und dient dazu, ihre hart erarbeitete Neutralität im Konflikt zwischen der Camarilla und der Sabbat zu wahren). Ein weiterer Teil beruht darauf, dass der Samthandschuh ihres Auftretens die eiserne Faust ihres Wesens verbirgt, das dafür bekannt ist, Geister, den menschlichen Verstand und Körper gleichermaßen ihrem Willen zu unterwerfen. Nach Aussagen der Giovanni schulden ihnen Prinzen wie Erzbischöfe Gefallen, und jeder, der etwas zu bieten hat, kann sich ihren Schutz erkaufen.
Die Giovanni halten sich weitgehend aus dem Dschihad heraus, sie verfolgen eigene Ziele: Reichtum anzusammeln und sich in den Landen jenseits des Todesschleiers eine Machtbasis aufzubauen. Außenstehende begreifen die Ziele der Nekromanten selten, doch selbst unter den Giovanni wissen nur die Eingeweihten, dass der Clan die Welt in einen Zustand versetzen will, in dem sich die Toten mit den Lebenden mischen.
Angesichts ihrer Beherrschung der Nekromantie wären die Giovanni ohne Zweifel die obersten Machthaber einer solchen Welt.
Spitzname: Nekromanten
Erscheinungsbild: Giovanni kleiden sich dezent und elegant. Ein Großteil des Clans entstammt der ursprünglichen Familie von Sterblichen und hat nicht nur den typischen, olivfarben Teint der Italiener, sondern verfügt auch über eine gewisse Familienähnlichkeit.
Giovanni, die nicht zur Familie gehören, wirken oft „austauschbar“ und tragen die traditionelle Bekleidung des lokalen Zweigs der Familie.
Zuflucht: Giovanni bevorzugen Zufluchten, die ihren Reichtum erkennen lassen, etwa Gutshäuser und Paläste. In den Zufluchten der Nekromanten findet man oft auch Wertgegenstände, etwa ganze Gemäldegalerien oder Schmuckausstellungen. Viele Giovanni haben auch eine zweite Zuflucht, vielleicht eine labyrinthartige nekromantische Gruft oder eine einfache Wohnung, in der sie sich im Notfall verstecken können.
Hintergrund: Giovanni aus der Stammfamilie standen zu Lebzeiten als Ghule im Dienst anderer Familienmitglieder, und zwar im Rahmen einer Praxis, die als Stellvertretender Kuss bekannt ist. In dieser Phase lernt das zukünftige Kainskind die heuchlerische, von Neid geprägte Realität der Vampirfamilie kennen. Es lernt Ehrgeiz und eine ungesund hohe Dosis Falschheit, außerdem Familiengeschichte und -bräuche. Giovanni sehen in der Phase des stellvertretenden Kusses selten auf eigenes Betreiben viel von der Außenwelt und führen oft ein isoliertes, entfremdetes Leben, während sie sich bemühen, sich von den anderen Ghulen der Familie positiv abzuheben.
Charaktererschaffung: Giovannivampire legen oft ein extrovertiertes, professionelles Verhalten an den Tag, dass ein unangenehmes Wesen verbirgt, das während ihrer Erziehung schwer gelitten hat. Gesellschaftliche oder geistige Attribute sind üblicherweise primär, auch wenn einige der „Soldaten“ der Familie körperliche Attribute bevorzugen. Man legt auch Wert auf Kenntnisse oder Talente, je nach Neigung. Innerhalb des Clans scheiden sich die Geister an der Frage, ob man praktische Hintergründe (besonders solche, die mit Wohlstand und Einfluss zu tun haben) oder die verbotene Macht der Disziplinen bevorzugen sollte.
Nur wenige Giovanni ließen sich als abgerundete Charaktere beschreiben.
Clandisziplinen: Beherrschung, Nekromantie, Stärke
Schwächen: Der Biss der Giovanni verursacht bei Sterblichen große Schmerzen. Wenn der Giovanni nicht aufpasst, stirbt das Opfer durch den Schock, ehe es Gelegenheit
hatte, am Blutverlust zu Grunde zu gehen. Die Nekromanten verursachen bei Sterblichen (und nur bei diesen) doppelt so viel Schaden wie andere Vampire, wenn
sie sie beißen. Wenn also beispielsweise ein Giovanni einem sterblichen Gefäß einen Blutpunkt raubt, verlöre das Gefäß zwei Gesundheitsstufen. Insofern kommt es häufig
vor, dass Giovanni Vampire von Leichen oder Ressourcen wie etwa Blutbanken in Krankenhäusern trinken.
Organisation: Der Vorsintflutliche der Giovanni, Augustus, kontrolliert Berichten zufolge noch immer den Clan, doch ist außerhalb der Familie niemand bekannt, der ihn in den letzten 400 Jahren gesehen hätte. Die Familie unterhält in Venedig einen großen Palast, der umgangssprachlich als das Mausoleum bekannt ist und in dem Küken und Ahnen gleichermaßen nach der Pfeife des uralten Puppenspielers tanzen. Wie zu erwarten war, besitzt der Clan eine Familienstruktur, allerdings mit den zusätzlichen Problemen, die Degeneriertheit und Vampirismus mit sich bringen. Inzest, Ahnenverehrung, Nekrophilie, Schuldkulte und bizarre Familienverhältnisse, bei denen Väter und Großmütter die Kinder ihrer eigenen Nachfahren sind, machen aus dem Clan und aus der Familie einen Sumpf und brechen viele Giovanni, lange bevor sie Kainskinder werden.
Assamiten: Hütet euch, denn mit keinem Geld der Welt kann man eine Rückfahrkarte aus dem Grab kaufen.
Brujah: Billige Verbündete oder leicht erzürnbare Feinde.
Gangrel: Lasst ihnen ihren Schlamm und ihr Elend.
Jünger des Set: Gefährliche Relikte, irregeleitet von einer primitiven Auffassung von dem, was jenseits des Leichentuchs liegt.
Lasombra: Wie wir stehen sie mit einem Fuß in der Realität und mit dem anderen in der Welt des Okkulten.
Malkavianer: Wenn Sie erst zu Staub zerfallen sind, müssen sie ihren eigenen Wahnsinn nicht mehr ertragen.
Nosferatu: Tote erzählen Geschichten, und die Kanalratten kennen viele Geschichten.
Ravnos: Kainskinder haben eine Ewigkeit Zeit, um ihres eigenen Glückes Schmied zu sein, und das machen sie daraus?
Toreador: Wie tragisch, wenn ein Kainskind so schreckliche Angst vor dem hat, was es ist.
Tremere: Wir überhöhen die Geschichte, die uns zu dem gemacht hat, was wir sind, nicht, warum also tun sie es?
Tzimisce: Der Wurm, der sich vom eigenen Fleisch ernährt, wird irgendwann verhungern.
Ventrue: Sie vergessen oft, dass Machiavelli im Gefolge der Borgia und der Medici tätig war.
Caitiff: Was können sie schon ausrichten, wenn sie nicht einmal ihre Herkunft kennen?
Camarilla und Sabbat: Sollen sie doch ihren endlosen Krieg führen, denn wir werden reich, indem wir beiden Seiten verkaufen, was sie dazu brauchen.
Anarchen: Bis sie etwas geschaffen haben, was Bestand hat, sind sie die hässlichsten aller Entlein.